Startseite | Kontakt | Impressum | Web Übersicht

Newsletter

An dieser Stelle finden Sie jeweils unseren aktuellen vorsorgeluege.de-Kommentar zu Themen der sozialen Sicherung. Wir liefern Hintergründe oder eine andere Sichtweise zur laufenden Debatte. Oder analysieren wenig beachtete Statistiken. In jedem Fall freuen wir uns über Ihre Reaktion. Alle bisherigen Kommentare finden Sie im Archiv.

Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 11/2022 vom 4.11.2022
Wo bleibt die Zeitenwende?

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Die SPD scheint das Ende von Hartz4-einzuläuten, Gesundheitsminister Karl Lauterbach stellt die Fallpauschalen im Krankenhaus in Frage, ein System, das die Privatisierung von Krankenhäusern maßgeblich befördert hat. Die öffentliche Hand bejammert es als Riesenfehler, dass sie ihren Bestand an Mietwohnungen zur Jahrtausendwende an Finanzinvestoren verhökert hat.
Seinerzeit passierte dasselbe auch in der Alterssicherung: Die Renten wurden zusammengestrichen und als zweite und dritte private Säule wurden die Riester-Rente und eine neuformierte Betriebsrente installiert. Beide organisiert von Allianz & Co. Zum Nutzen der Finanzkonzerne und zum Nachteil der Versicherten. Das scheint sogar die chronisch schlafmützige Finanzaufsicht Bafin erkannt zu haben. In einem Merkblatt an alle Lebensversicherer sehen es die Beamten offenbar als nicht gesichert an, dass die Kunden mit privaten Rentenversicherungen „einen realen Anlageerfolg erzielen“.
Nun, da wir vor dem Scherbenhaufen der neoliberalen Privatisierungswut stehen, von dem Verlust bezahlbaren Wohnraums bis zur gescheiterten Riester-Rente, bleibt die Frage: Wo bleibt die Zeitenwende in der Sozialpolitik? Handeln tut not. In der Rentenpolitik heißt das: die Konzentration auf die gesetzliche Rente und die Abschaffung des kostenträchtigen Drei-Säulen-Modells. Wir brauchen ein Ende der staatlichen Förderung von Pseudo-Betriebsrenten und einer privaten Vorsorge, die am Ende nur den Finanzkonzernen nutzt.
Für die heute Jungen wäre das unterm Strich viel billiger. Denn die höheren Beiträge in der gesetzlichen Rente würden paritätisch auch von den Arbeitgebern bezahlt. Anders heute: Die private Altersvorsorge zahlen die Arbeitnehmer überwiegend aus der eigenen Tasche.
Der wichtigste Baustein in der Zeitenwende bei der Rente wäre jedoch die Einführung einer Erwerbstätigenversicherung. Damit könnte die Zahl der Beitragszahler um über 10 Millionen steigen.
Auch Selbstständige, Freiberufler, Minijobber und Beamte zahlten ein.
Die Rentenlast der in den kommenden Jahren ausscheidenden Babyboomergeneration würde so auf viel mehr Schultern verteilt.

Mehr zur notwendigen Zeitenwende in der Rente erfahrt Ihr am kommenden Dienstag um 20:15 Uhr in der Online-Veranstaltung „Kesslers Wirtschaft“. Unter dem Titel „Wer bezahlt die Renten der Zukunft?“ diskutiert Holger Balodis mit dem Wirtschaftsjournalisten Wolfgang Kessler. Per Live-Chat könnt Ihr auch Fragen stellen.

Registriert Euch dafür bitte kostenlos unter https://t1p.de/exarx
Weitere Infos auch unter www.keb-frankfurt.bistumlimburg.de

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Rente rauf! So kann es klappen, DVS Verlag, 204 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-932246-98-2)
Sie bekommen das Buch schnell und portofrei entweder direkt über uns (balodis@vorsorgeluege.de) oder den Frankfurter DVS-Verlag (http://www.dvs-buch.de/).

Holger Balodis
Dagmar Hühne
www.vorsorgeluege.de
h.balodis@netcologne.de
0221-461527 und 466590