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Archiv 2021

Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 1/2021 vom 5.5.2021
Rentenwahlkampf? Ja bitte!

Bert Rürup, Rentenpapst und selbsternannter Chefökonom, gibt in seiner aktuellen Handelsblatt-Kolumne die Losung aus: „Bitte keinen Rentenwahlkampf!“ Angesichts einer weitgehend ergrauten Wählerschaft befürchtet Rürup milliardenschwere Rentengeschenke. Die könne sich der Staat keinesfalls leisten. Dem ist gleich mehrfach zu widersprechen. Diese Gesellschaft kann und muss sich deutlich höhere Renten leisten. Und das darf keinesfalls als Geschenk diffamiert werden. Es wäre die notwendige Korrektur einer sozialen und ökonomischen Fehlentwicklung. Die Fakten sind eindeutig: Spätestens seit 2003 werden die Rentner systematisch vom gesellschaftlichen Wohlstand abgekoppelt. Obwohl ihre Zahl um 21 Prozent stieg – es gibt also immer mehr Rentner – bekamen sie zusammengenommen sogar 11 Prozent weniger vom Bruttoinlandsprodukt. Bezogen auf den einzelnen Rentner ist das rund ein Drittel zu wenig Rente. Vom langjährigen Wirtschaftsboom kommt bei den Rentnern nichts an. Der Seniorenaufstand kommentierte ketzerisch: „Wie günstig sollen die Rentner*innen denn noch werden?“ Aktuell liegen die Renten im Durchschnitt bei rund 1.300 Euro für Männer und für Rentnerinnen bei rund 900 Euro - wohlgemerkt vor Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen. Damit ist Altersarmut für viele Rentner und vor allem Rentnerinnen bereits heute schmerzhafte Realität. Dass es auch ganz anders geht, beweist der Staat gegenüber seinen Beamten. Hier erhalten pensionierte Männer rund 3.400 Euro brutto und pensionierte Frauen immerhin rund 2.800 Euro brutto. Im Durchschnitt - der ehemalige Hochschullehrer Rürup dürfte deutlich darüber liegen.
Eine öffentliche Debatte über die Finanzierbarkeit der Pensionen gibt es übrigens nicht.
Es ist offensichtlich, dass auch die Renten für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen deutlich höher ausfallen müssen. Wir haben in „Rente rauf!“ vorgerechnet, dass eine sofortige Erhöhung um ein Drittel notwendig und finanzierbar ist. Die Rezepte – von der Einführung der Erwerbstätigenversicherung bis zum Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze - liegen auf dem Tisch. Wir sind gespannt, wer sie sich im Bundestagswahlkampf zu eigen macht. Denn anders als Rentenpapst Rürup sind wir der Meinung, dass wir einen Rentenwahlkampf dringend brauchen. Nach der Nullrunde im laufenden Jahr brauchen die Rentner endlich wieder eine echte Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand.

Unsere Haltung für bessere Renten könnt ihr nachhören und sehen in dem Talk „Ausnahme&Zustand“ auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=Llff2iZe4Ik

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Rente rauf! So kann es klappen, DVS Verlag, 204 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-932246-98-2), jetzt die leicht überarbeitete 2. Auflage
Sie bekommen das Buch schnell und portofrei entweder direkt über uns (info@vorsorgeluege.de) oder den Frankfurter DVS-Verlag (http://www.dvs-buch.de/).

Holger Balodis
Dagmar Hühne
www.vorsorgeluege.de
info@vorsorgeluege.de
0221-461527 und 466590

Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 2/2021 vom 11.5.2021
Stoppt Riester! Aber bitte richtig!

„Stoppt die Riester-Rente!“ Das fordern heute – exakt 20 Jahre nach dem Start dieses unseligen Produktes – gemeinsam die Verbraucherzentralen, der Bund der Versicherten und die Bürgerbewegung Finanzwende des Ex-Abgeordneten Gerhard Schick. Eine mehr als überfällige Forderung. Fast 50 Milliarden Euro öffentliche Förderung dürften in die Riester-Rente geflossen sein – damit Versicherungskonzerne und Fondsanbieter ebenso hochprovisionierte wie unrentable Produkte unters Volk bringen durften. Ganz offenkundig ist das Projekt gescheitert: Weniger als die Hälfte der Anspruchsberichten hat einen Vertrag abgeschlossen, und von denen bekommt wiederum weniger als die Hälfte die volle Förderung. Hohe Kosten und willkürlich festgesetzte Sterbetafeln führen dazu, dass die Riester-Rente zwangsläufig für viele Sparer zu erheblichen Verlusten führt. Soweit stützen wir die Kritik von Verbraucherzentralen, BdV und Finanzwende voll und ganz. Nur was folgt daraus? Das Bündnis fordert einen staatlich geförderten „Neustart für die private Altersvorsorge“. Besser, billiger, transparenter als die bisherige Riester-Rente, aber weiterhin kapitalgedeckt, als Ergänzung zur gesetzlichen Rente.
Doch das ist viel zu kurz gedacht: Eine gut gemeinte Verbesserung dieses missratenen Produkts beseitigt ja nicht den Geburtsfehler der Riester-Rente. Sie wurde eingeführt, um im Gegenzug die gesetzliche Rente erheblich beschneiden zu können. In der Hoffnung, dass die privaten Renditen den Schaden an der gesetzlichen Rente ausgleichen würden. 20 Jahre später wissen wir, dass das nicht funktioniert.
Es wäre weitaus effektiver, wieder voll auf die gesetzliche Rente zu setzen. Zusammen mit anderen Maßnahmen könnten die gesetzlichen Renten um rund ein Drittel gesteigert werden, wenn der Irrweg der zusätzlichen privaten Altersvorsorge endlich gestoppt würde. Wie gut das in der Praxis funktioniert, das sieht man am Nachbarland Österreich. Dort hat man sich zur Jahrtausendwende gegen eine Privatvorsorge à la Riester entschieden – und fährt gut damit.
Die Forderung der drei Verbraucherorganisationen nach einer gründlichen Nachjustierung der Riester-Rente mag angesichts der aktuellen und erwartbaren Machtverhältnisse im Bundestag realistisch sein. Ökonomisch und sozialpolitisch sinnvoll wäre hingegen etwas anderes: die deutliche Stärkung der gesetzlichen Rente. Davon hätten die Bürger am meisten.

Unsere Haltung für bessere Renten könnt ihr nachhören und sehen in dem Talk „Ausnahme&Zustand“ auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=Llff2iZe4Ik

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Rente rauf! So kann es klappen, DVS Verlag, 204 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-932246-98-2), jetzt die leicht überarbeitete 2. Auflage
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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 3/2021 vom 22.6.2021
Stoppt endlich die Verdummung!

In den jüngsten Tagen ploppte das Thema Rente allerorten hoch: „Rente mit 68“ (Wissenschaftlicher Beirat im Wirtschaftsministerium), „Rente mit 70“ (Institut der Deutschen Wirtschaft), „Aktienrente“ (FDP) oder „Bürgerfonds“ (Grüne). Wie ein Mantra zieht sich dabei der Kampfbegriff „Generationengerechtigkeit“ durch alle Medien. Suggeriert wird: die gesetzliche Rente packt es nicht mehr. Zu wenig Junge, zu viele Alte. Drastische Maßnahmen sind angeblich nötig. Länger arbeiten, weniger Rente, mehr Aktieninvestments – am besten alles zusammen. So erklären es Axel Börsch-Supan und Bernd Raffelhüschen als Experten und nahezu alle plappern es nach. So auch geschehen in der ARD-Sendung ‚Presseclub’ am vergangenen Sonntag. Leider werde es – so wurde dort beklagt - diese „notwendigen“ Maßnahmen aber nicht geben, weil sich in dieser „Rentnerrepublik“ gegen den Willen der überwiegend alten Wähler kaum etwas durchsetzen lasse.
Ja, hört denn diese gnadenlose Verdummung nie auf? Bereits in den vergangenen 30 Jahren wurden durch Absenkungen des Rentenniveaus und massive Verschlechterungen im Rentenrecht die Ansprüche der Versicherten um fast 40 Prozent zusammengestrichen. Von Massenprotesten der Bevölkerung keine Spur.
Dabei hätte es hierfür allen Grund gegeben: Die Renten lägen ohne diese Einschnitte für langjährig Versicherte (mindestens 35 Beitragsjahre) nicht wie heute bei rund 1.200 Euro, sondern bei rund 2.000 Euro. Und das ist auch finanzierbar. Natürlich reichen dafür nicht die kümmerlichen 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die aktuell in die deutschen Renten fließen. Nachbarländer wie Dänemark, Österreich oder Frankreich machen es vor: sie geben 13 bis 15 Prozent für die Rente aus. Derweil gehen immer größere Teile der deutschen Bevölkerung in Richtung Altersarmut.
Würden die älteren Wähler tatsächlich von ihrer Macht Gebrauch machen, so müsste eigentlich DIE LINKE einen grandiosen Sieg bei der Bundestagswahl davontragen. Die verspricht nämlich eine Anhebung des Rentenniveaus und eine Mindestrente von netto 1.200 Euro, was für alle heutigen und künftigen Rentner eine erhebliche Verbesserung wäre. Doch es ist nicht damit zu rechnen, dass die ältere Hälfte der Bevölkerung links wählt. Stattdessen glauben viele den Unsinn mit der angeblich fehlenden Generationengerechtigkeit. Dabei ist die umlagefinanzierte Rente in Wahrheit keineswegs zum Schaden der Jungen. Sie werden dort auch weiter eine positive Rendite erzielen und diese Rendite wäre noch wesentlich höher, hätte es die politisch motivierten Renteneinschnitte nicht gegeben. Die Überlastung der Jungen liegt vielmehr in dem Unsinn, sie quasi zur Einzahlung in die private Vorsorge (Riester) und eine weitgehend selbst finanzierte Betriebsrente (Entgeltumwandlung) zu drängen. Da hier die Arbeitgeber fast nichts beitragen, führt das, was Rürup, Raffelhüschen & Co den Jungen hier eingebrockt haben fast zu einer Verdoppelung ihrer Beitragslast. Doch darüber reden die Lobbyisten nicht.
Der bessere Weg wäre, die gesetzliche Rente deutlich zu stärken: Eine armutsfeste Mindestrente, deutlich höhere Renten für alle, eine faire Beteiligung von Beitragszahlern, Arbeitgebern und Staat. Und vor allem: alle Erwerbstätigen müssten einzahlen, auch Beamte, Selbstständige, Freiberufler und Politiker. Dann wäre das Märchen von den fehlenden Beitragszahlern sofort vom Tisch.
Und noch etwas: wir brauchen weder eine Rente mit 68 noch eine mit 70 Jahren. Mit solchen Forderungen soll die Bevölkerung nur weiter mürbe gemacht werden, damit sie weitere Kürzungen hinnimmt. Vermutlich mit Erfolg.

Unsere Haltung für bessere Renten könnt ihr nachhören und sehen in dem Talk „Ausnahme&Zustand“ auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=Llff2iZe4Ik

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