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Archiv 2020

Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 1/2020 vom 21.2.2020
Fehlgeburt Grundrente

Nun ist die Grundrente durchs Kabinett und es hagelt Kritik. Zu Recht. Sie verdient nicht ansatzweise den Namen Grundrente, weil sie, anders als der Begriff suggeriert, eben nicht allen langjährig Beschäftigten eine Rente verschafft, die auch nur halbwegs zum Leben reicht.
Die wichtigsten Kritikpunkte: Sie ist bis zur Unverständlichkeit kompliziert und nutzt mit geschätzt 1,3 Millionen viel zu wenigen Personen. Und was das Schlimmste dabei ist: Es sind gerade jene mit den niedrigsten Renten, die ausdrücklich ausgenommen werden. Alle Verdienste, die umgerechnet nicht mindestens 0,3 Rentenpunkten entsprechen, werden nicht aufgewertet. Das betrifft derzeit alle mit einem Monatseinkommen bis 972 Euro brutto. Sie haben nichts von der Grundrente. Und auch die, die ins Raster passen, werden nur in wenigen Einzelfällen durch die neue Grundrente über die Grundsicherungsschwelle (netto rund 800 Euro monatlich, unterschiedlich je nach Wohnort) gehoben. Wer die maximal mögliche Aufwertung bekommt, der/die wird nach 35 Arbeitsjahren und nach Abzug des Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrags eine Rente von rund 770 Euro erhalten. Das ist in großen Teilen der Republik weniger als Grundsicherung.
Wer wirklich bedürftig ist, bleibt auch nach Einführung der Grundrente auf den von vielen als entwürdigend empfundenen Gang zum Grundsicherungsamt angewiesen. Wollte Hubertus Heil nicht genau dies verhindern?
Das Problem: Die besonders in Unionskreisen sehr unbeliebte Grundrente soll nicht allzu viel kosten. Für 2021 rechnet man mit Ausgaben von 1,3 Milliarden Euro. Das reicht aber gerade mal, um jedem Begünstigten im Schnitt pro Monat gut 80 Euro draufzulegen. Das ist weder ein wirksamer Schritt zur Bekämpfung von Altersarmut noch eine ernstzunehmende Würdigung der Lebensleistung, wie sie Hubertus Heil monatelang propagierte. Die neue Grundrente ist meilenweit von echten Mindestversorgungen entfernt, wie sie in europäischen Nachbarländern schon lange üblich sind. Welche Länder es besser machen als wir, das beschreiben wir in unserem neuen Buch „Rente rauf!“. Und wir rechnen vor, dass wir uns nicht nur eine ausreichende Mindestrente leisten müssen, sondern auch deutlich bessere Renten für alle. Auch da hinkt Deutschland Nachbarländern wie Österreich oder den Niederlanden deutlich hinterher. Ein Drittel höhere Renten für alle sind notwendig und finanzierbar. Wir müssen es nur wollen.

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Rente rauf! So kann es klappen, DVS Verlag, 204 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-932246-98-2)

Holger Balodis
Dagmar Hühne
www.vorsorgeluege.de
info@vorsorgeluege.de
0221-461527 und 466590



Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 2/2020 vom 19.3.2020
Lehren aus der Coronakrise

Man reibt sich die Augen: Angesichts der Corona-Bedrohung sprechen Finanzminister Scholz und Wirtschaftsminister Altmeier von unbegrenzter finanzieller Unterstützung und fabulieren von Bazookas, um Entschlossenheit zu demonstrieren. Es stünden Garantien von bis zu 550 Milliarden Euro im Bundeshaushalt bereit. Noch vor wenigen Wochen war die Finanzierung von vergleichweise kümmerlichen 1,3 Milliarden für eine kräftig zurechtgestutzte Grundrente für viele Unionspolitiker ein Problem. Nun lernen wir: Wenn es wirklich ernst und wichtig ist, sind schwarze Null und Schuldenbremse offenbar kein Problem. Was die Frage aufwirft: Sind ausreichende und faire Renten kein ernstes und dringliches Erfordernis?
Konkret: Sollte die Bundesregierung nicht endlich die Rechnung für die von der Rentenkasse erbrachten versicherungsfremden Leistungen in voller Höhe erstatten?
Für 2019 bezifferte die Deutsche Rentenversicherung das Defizit auf 34,4 Milliarden Euro. So viel müsste der Bund also bereits heute an zusätzlichem Bundesanteil überweisen. Das wäre ein perfekter Grundstock für unser 8-Punkte-Programm im gerade erschienenen Buch „Rente rauf!“. Wir listen darin auf, was passieren muss, damit alle Rentner ein Drittel mehr Rente als heute bekommen können: höherer Bundesanteil, Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze, Einstieg in die Erwerbstätigkeitsversicherung, Wegfall von unsinnigen Subventionen für Entgeltumwandlung und Riester-Rente und sehr maßvolle Beitragssatzsteigerungen. Benötigt werden rund 100 Milliarden Euro. Sehr viel Geld, aber finanzierbar.
Man muss dafür nicht gleich das Rentensystem über den Haufen werfen. Wir sollten allerdings jetzt endlich die Chance ergreifen und die teilweise seit über 100 Jahren bestehenden Schwächen korrigieren. Schrittweise müssen Selbstständige, Freiberufler und Beamte rein ins System. Alle Erwerbstätigen sollen Beiträge zahlen. Und wer sehr viel verdient, soll auch viel einzahlen. Also muss die Beitragsbemessungsgrenze wegfallen. Sie führt derzeit dazu, dass oberhalb von einem Bruttoeinkommen von 6.900 Euro im Westen und 6.450 Euro im Osten keine Beiträge erhoben werden. Es muss Schluss sein mit milliardenschweren Beitragsausfällen, etwa weil durch das unsinnige Instrument der Entgeltumwandlung dem Sozialstaat Gelder entzogen werden. Am Ende des Maßnahmenpakets stehen auch maßvolle Beitragssatzsteigerungen, die allerdings niemanden überfordern. Dass es geht, zeigt das Nachbarland Österreich. Dort bekommen Frauen durchschnittlich rund 500 Euro mehr als deutsche Rentnerinnen und Männer im Schnitt rund 1.000 Euro mehr als deutsche Rentner. Die gegenwärtige Krise sollte ein Anlass sein, um einige Instrumente im Staatswesen neu zu justieren. Auch in der Rente.

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Rente rauf! So kann es klappen, DVS Verlag, 204 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-932246-98-2)
Sie bekommen das Buch schnell und portofrei entweder direkt über uns (info@vorsorgeluege.de) oder den Frankfurter DVS-Verlag (http://www.dvs-buch.de/).

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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 3/2020 vom 28.3.2020
Rentenkommission ignoriert Notwendigkeiten

Die Erwartungen waren schon niedrig, doch nun ist die Enttäuschung riesig. Laut der Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ sollen sich die Rentner in Deutschland künftig auf ein Rentenniveau zwischen 44 und 49 Prozent einstellen. Aktuell liegt es bei 48,2 Prozent. Mit anderen Worten: Im Vergleich zu den Arbeitnehmereinkommen sollen die Rentner noch weniger bekommen als bisher schon. Nach drei Jahrzehnten voller Rentenreformen, die den Wert der Renten um rund ein Drittel entwertet haben, ist das eine schlimme Nachricht. Und es könnte sogar noch viel schlimmer kommen: Die Kommission schlägt vor, das Rentenniveau neu zu berechnen. Grundlage sollen nicht mehr 45 Jahre, sondern 47 Jahre Durchschnittseinkommen sein. Platt gesagt bedeutet das, dass ein so berechnetes Rentenniveau rund 4,5 Prozent weniger wert wäre als nach alter Rechenweise. Also ein übler Trick, der verschleiern soll, wie sehr die Renten im Vergleich zu den Arbeitnehmereinkommen gedrückt werden sollen.
Dabei belegen die jüngsten Daten der OECD: Im Vergleich der 36 entwickelten Staaten dieser Erde nehmen die Rentner in Deutschland bereits jetzt einen hinteren Platz ein. Netto erreichen Rentner in Ländern wie Österreich, Luxemburg, Portugal oder Italien mindestens 90 Prozent ihres früheren Einkommens. In Deutschland sind es gerade mal 52 Prozent. Und das nach 45 Versicherungsjahren! Da in Wirklichkeit die Altersrentner im Durchschnitt gerade mal 38 Jahre schaffen, liegt die Nettolohnersatzrate in der Praxis in der Regel sehr, sehr deutlich unter 50 Prozent. Die Unterschiede zu den europäischen Nachbarstaaten sind in Euro ausgedrückt deprimierend: In Österreich bekommen männliche Rentner im Durchschnitt 2.294 Euro brutto. Tausend Euro mehr als die männlichen Rentner hierzulande (1.281 Euro brutto, Stand Anfang 2019). Auch in der Schweiz, in Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und Dänemark bekommen die Rentner im Alter weit mehr als in Deutschland. Fazit: Sowohl die Lohnersatzraten der OECD als auch direkte Zahlenvergleiche mit den europäischen Nachbarländern belegen, Deutschland gehört zu den Schlusslichtern bei der Alterssicherung. Kräftige Impulse für bessere Renten wären dringend notwendig. Doch dem hat sich die Rentenkommission erwartungsgemäß verweigert. Sie hat die Einführung einer Erwerbstätigenversicherung abgelehnt. Dabei ist erwiesen, dass die Eingliederung von Beamten, Selbstständigen und Freiberuflern über die kommenden Jahrzehnte erhebliche Vorteile für die Rentenkasse bringen würde. Stattdessen hat die Kommission betont, dass private und betriebliche Altersvorsorge attraktiver gemacht werden müsse. Ein Treppenwitz. Schließlich war es die Rentenprivatisierung unter Schröder, die wesentlich zum Zerstörungsprozess der deutschen gesetzlichen Rente beigetragen hat. So stoppt man den Weg in die Altersarmut nicht.

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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 4/2020 vom 23.4.2020
Revival des kollektiven Sozialsystems

Neuerdings wird allerorten das hohe Lied der Solidarität gesungen. Die Profitorientierung im Gesundheitswesen solle zurückgedrängt werden. Die gesetzliche Krankenversicherung, die jeden, ob arm oder reich, aufnimmt und gleichen Zugang zu notwendiger Krankenbehandlung gewährt, wird plötzlich als vorbildlich anerkannt. Und die Arbeitslosenversicherung sichert mit dem nun noch verbesserten Kurzarbeitergeld Millionen Arbeitnehmern Job und Einkommen - und rettet gleichzeitig die Wirtschaft vor dem Absturz. Noch vor kurzem hörte sich das alles ganz anders an: Privat vor Staat hieß das Motto. Und dieses neoliberale Denken darf keinesfalls nach der Coronakrise wieder Oberhand gewinnen. Denn ihm haben wir nicht nur die Profitorientierung und den Rückgang des Pflegepersonals in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu verdanken. Auf dieses Denken geht auch das Hartz4-Regime, der Ausverkauf des öffentlichen Wohnraums, die Privatisierung von ehedem kommunalen Energieversorgern und schließlich die Demontage des Rentensystems zurück. Und bei der Rente besteht mindestens ebenso so großer Handlungsbedarf wie im Gesundheitswesen. Ohne Not haben Schröder, Riester & Co. eine funktionierende gesetzliche Rente in ein teures Drei-Säulen-Modell überführt.
Die Rente wurde offen und verdeckt um rund ein Drittel beschnitten. Riester-Renten und Betriebsrenten sollten es richten. Die sorgten zwar in der Finanzwirtschaft für milliardenschwere Einnahmen, doch die Lücken der gesetzlichen Rente können sie nicht schließen.
Krisenzeiten wie diese sind auch immer eine Chance: Wir brauchen eine bessere gesetzliche Rente für alle. Auch für Selbstständige, Beamte und Politiker. Die Rentenzahlbeträge müssen deutlich angehoben werden. Für Geringverdiener muss eine echte Mindestrente geschaffen werden, die, genau wie in Nachbarländern (Österreich, Belgien u.a.) ein Leben oberhalb der Armutsschwelle garantiert. Sie sollte deutlich besser ausgestattet sein als der Grundrentenkompromiss, der zudem jetzt von Unionspolitikern wieder in Frage gestellt wird. Wie dreist muss man eigentlich sein, um Kosten in Höhe von jährlich 1,3 Milliarden Euro, so wenig kostet die geplante Grundrente!, als unbezahlbar hinzustellen, während man gleichzeitig ein Corona-Hilfspaket von 1,2 Billionen Euro Volumen geschnürt hat?
Jetzt ist die gesamte Gesellschaft gefragt: Gewerkschaften, Sozialverbände, Kirchen, Parteien und Zivilgesellschaft. Wir brauchen nach Corona eine bessere Rente. Das kostet mehr als 1,3 Milliarden Euro jährlich, doch es ist finanzierbar. Es lohnt sich letztlich für alle: Die heutigen Arbeitnehmer, die Rentner, die Wirtschaft und letztlich sogar die Finanzämter. Denn bessere Renten sind ein Konjunkturprogramm ohnegleichen.

Der Link zu einem Interview mit Holger Balodis: Warum wir bessere Renten brauchen!
https://www.youtube.com/watch?v=PWnsNU4dQG4

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Rente rauf! So kann es klappen, DVS Verlag, 204 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-932246-98-2)
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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 5/2020 vom 11.5.2020
Neuer Angriff auf die Rente

Corona liefert den Gegnern einer besseren Rente neue Munition. So fordern die Arbeitgeber, die für den 1. Juli geplante Rentenerhöhung solle halbiert werden. Angeblich um die Lasten in der Krise gerecht zu verteilen. Es könne nicht angehen, dass Millionen Arbeitnehmer durch Kurzarbeit Lohneinbußen hinnähmen, während die Rentner gleichzeitig kräftige Steigerungen erhielten. Wie bitte? Urplötzlich soll genau jener Mechanismus, den die Arbeitgeber ganz maßgeblich der Politik auf den Leib geschrieben haben, außer Kraft gesetzt werden. Die Rentenanpassungsformel, die durch den Einbau von Riester- und Nachhaltigkeitsfaktoren dazu geführt hat, dass die Renten über lange Jahre von der Entwicklung der Löhne abgehängt wurden, soll just in dem Jahr nicht mehr gelten, in dem die Rentner den „Lohn“ für die gute Wirtschaftslage des Vorjahres bekommen sollen. Die Rentner werden grundsätzlich immer mit einem Jahr Verzug an der Lohnentwicklung beteiligt. So sind die Anhebungen von 3,45 Prozent im Westen und 4,20 Prozent im Osten das Ergebnis von folgenden Faktoren: 1. Den Lohnerhöhungen des Jahres 2019, 2. der gestiegenen Zahl an versicherungspflichtig Beschäftigten im Vorjahr sowie 3. der politisch gewollten Angleichung von Ost- und Westrenten.
Nur zur Erinnerung: Die politisch gewollten Einschnitte in die gesetzliche Rente führten dazu, dass die Renten seit 1990 um rund ein Drittel an Wert verloren haben. Andererseits brachten die Maßnahmen in Form von sehr niedrigen Sozialbeiträgen der Arbeitgeberseite aufsummierte Vorteile in Höhe von mindestens 200 Milliarden Euro. Sie waren die Nutznießer der verfehlten Rentenpolitik. Wenn aber nun 2020 aufgrund der bestehenden Anpassungsformel eine Rentenerhöhung von drei bis vier Prozent herauskommen soll, wird mit der Coronakrise die erstbeste Chance ergriffen, diese aus Sicht der Arbeitgeber ungebührliche Erhöhung zu torpedieren. Das ist schäbig und überaus durchsichtig: Wieder einmal tun die Arbeitgeber alles, um die Gefahr steigender Beitragssätze zu verhindern. Derzeit beträgt der Rentenbeitragsatz 18,6 Prozent, das ist weniger als 1985! Die Zahl der Rentner hat sich seitdem fast verdoppelt, doch der Beitragssatz wurde künstlich niedrig gehalten. Das musste zwangsläufig zu Verschlechterungen bei den Renten führen. Jeder fünfte Bewohner in Rentnerhaushalten lebt heute schon unterhalb der Armutsgrenze.
Im Übrigen werden die Rentner durchaus an den Folgen der Coronakrise beteiligt werden. Nur eben mit einem Zeitverzug von einem Jahr. Wenn die durchschnittlichen Bruttolöhne im laufenden Jahr sinken sollten, fällt die Rentenerhöhung im nächsten Jahr aus.
Doch die Rentenanpassung 2020 in Frage zustellen, ist nicht nur dreist, sondern auch dumm. Gerade in Krisenzeiten sollte die Konjunktur gestärkt werden. Und gesetzliche Renten fließen traditionell ganz überwiegend in den Konsum. Viel sparen lässt sich bei einem durchschnittlichen Auszahlbetrag von weniger als Tausend Euro monatlich sowieso nicht.
Wir sollten deshalb Zeiten wie diese nutzen, um endlich bessere Renten für alle zu fordern. Renten, wie sie in den meisten Nachbarländern schon heute gezahlt werden.


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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 6/2020 vom 2.7.2020
Die Rentenerhöhung, nur ein Schlückchen aus der Pulle!

Nun gab es sie doch: die Rentenerhöhung von 3,45 Prozent im Westen und 4,2 Prozent in Ostdeutschland. Kritiker wollten sie eigentlich wegen Corona ausfallen lassen. Doch die geforderte Nullrunde kommt mit großer Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr, so will es die Rentenanpassungsformel. Was bei diesen Rechenspielen leicht vergessen wird: Es gab in den vergangenen 30 Jahren ein Bündel von staatlichen Maßnahmen, die massiv in Rechte der Versicherten und Rentner eingegriffen haben. Darunter die radikale Streichung der Anrechnung von Ausbildungszeiten, die Einführung von rentensenkenden Dämpfungsfaktoren, die schrittweise Einführung der Rentenbesteuerung und vieles mehr. Für die meisten bedeutet das eine Entwertung ihrer Rente um rund 40 Prozent. Mit anderen Worten: Die Renten in Deutschland sind viel, viel zu niedrig. Im Durchschnitt werden Altersrenten von weniger als 1.000 Euro monatlich ausgezahlt. Das liegt klar unter der Armutsgefährdungsschwelle, die das Statistische Bundesamt bereits 2018 für Einpersonenhaushalt mit 1.035 Euro bezifferte.
Dabei ginge das auch anders. Der aktuelle Rentenwert, der seit gestern bei 34,19 Euro im Westen und 33,23 Euro im Osten liegt, könnte auf 45,00 Euro bundesweit erhöht werden. Dann würde die Standardrente nach 45 Versicherungsjahren in Ost wie West auf 2.025 Euro brutto klettern und dadurch würden auch jene, die schlechter verdienen und weniger Arbeitsjahre schaffen, eine halbwegs armutsfeste Rente bekommen.
Wie das geht, rechnen wir haarklein in unserem neuen Buch „Rente rauf! So kann es klappen“ vor. Die wichtigsten Maßnahmen: Der Einstieg in eine Erwerbstätigenversicherung, moderate Beitragssatzsteigerungen und ein fairer Bundesanteil, so wie er bereits 1957 bei der großen Rentenreform vorgesehen war.
Gewinner wären alle Rentner, aber auch die heutigen Beitragszahler, also die Jungen. Die marschieren nämlich, wenn nicht schleunigst etwas passiert, fast zur Hälfte in Richtung Altersarmut.
Etwas mehr belastet würden Arbeitgeber und Staat, doch verglichen mit den coronabedingten Lasten, wären das wahrlich nur Peanuts. Und die gesellschaftlichen Kosten, die ein Rentensystem verursacht, das immer mehr Menschen in die Altersarmut stürzt, sind fraglos sehr viel höher.
Es ist die richtige Zeit, einen mutigen Schritt zu tun.
Die heute im Bundestag verabschiedete Grundrente ist das übrigens nicht. Sie hilft so gut wie niemandem über die Armutsgefährdungsschwelle. Und denen, die am schlechtesten verdient haben, hilft sie gar nicht. Das ist ärgerlich und peinlich zugleich.

Der Link zu einem Interview mit Holger Balodis: Warum wir bessere Renten brauchen!
https://www.youtube.com/watch?v=PWnsNU4dQG4

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Rente rauf! So kann es klappen, DVS Verlag, 204 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-932246-98-2), jetzt die leicht überarbeitete 2. Auflage
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Vorsorgelüge-Newsletter 7/2020 vom 14.8.2020
Asmussens Weg der Zerstörung


Vor dem Hintergrund der jahrelangen Querelen um den Rausschmiss von Thilo Sarrazin aus der SPD ist ein anderer zwielichtiger Sozialdemokrat ein wenig in Vergessenheit geraten: Jörg Asmussen. Dabei hat Asmussen möglicherweise seiner Partei, aber ganz sicher unserem Land noch größeren Schaden zugefügt als der rechtslastige Bestsellerschreiber – ohne dass ein Ausschlußverfahren angestrengt worden wäre. Bereits 1986, mit 19 Jahren, trat er der SPD bei. Es folgte ein Volkswirtschaftsstudium und eine Beamtenkarriere im Bundesfinanzministerium. Die nahm unter dem Sozialdemokraten Hans Eichel so richtig Fahrt auf: Leiter des Ministerbüros, Leiter der Abteilung für nationale und internationale Finanzmarktpolitik. Asmussen gilt als zentraler Einflüsterer und Strippenzieher für Eichels Deregulierungspolitik nach der Jahrtausendwende. Maßgeblich soll er jenen Giftpapieren den Weg in den Bankenmarkt gebahnt haben, die später zur Finanzkrise geführt haben. Auch als Vertreter des Bundes in Aufsichtsgremien staatseigener Banken sowie der Finanzaufsicht Bafin unterstützte er tatkräftig den Handel mit diesen riskanten Papieren. Später verteilte Asmussen im Bankenrettungsfonds SoFFin dann großzügig Milliarden an jene Institutionen, die er zuvor riskant beraten hatte.
Belohnt für seine Mühen wurde Asmussen mit dem Posten des beamteten Staatssekretärs im Finanzministerium. 2012 wechselte er ins Direktorium der Europäischen Zentralbank. Zwei Jahre darauf holte ihn Andrea Nahles als Staatsekretär zurück in die Bundesregierung, wo er sich im Arbeits- und Sozialministerium um die Alterssicherung kümmern sollte. Erfolgreich verteidigte er die Teilprivatisierung der Alterssicherung (Riester-Rente!), die er bereits in seiner Zeit unter Eichel vorangetrieben hatte. Und in diesem Jahr schließt sich nach einem Intermezzo als Investmentbanker endlich der Kreis: Jörg Asmussen ist seit 1. April Cheflobbyist beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Damit wird er endlich direkt von denen bezahlt, deren Interessen er ohnehin seit vielen Jahren vertritt.


Holger Balodis und Dagmar Hühne: Rente rauf! So kann es klappen, DVS Verlag, 204 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-932246-98-2), jetzt die leicht überarbeitete 2. Auflage
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