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An dieser Stelle finden Sie jeweils unseren aktuellen vorsorgeluege.de-Kommentar zu Themen der sozialen Sicherung. Wir liefern Hintergründe oder eine andere Sichtweise zur laufenden Debatte. Oder analysieren wenig beachtete Statistiken. In jedem Fall freuen wir uns über Ihre Reaktion. Alle bisherigen Kommentare finden Sie im Archiv.



Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 5/2018 vom 3.4.2018
Profite mit der Lebenserwartung

Das statistische Bundesamt (Destatis) weiß alles, jedenfalls im Durchschnitt. So veröffentlichte Destatis jetzt: ein Neugeborenes könnte 83 Jahre alt werden, wenn es ein Mädchen ist. Jungen sollen 78 Jahre alt werden. Wohlgemerkt im Schnitt.
Ihrer Zeit weit voraus ist jedoch die Versicherungswirtschaft, genaugenommen die privaten Rentenversicherer. Die rechnen für Neugeborene, ganz gleich ob Jungen oder Mädchen, mit unglaublichen 105 Jahren. Also mindestens 20 Jahre mehr als Destatis. Erste Frage: Warum machen die Versicherer das? Ganz einfach, weil sie es dürfen. Zweite Frage: Ist das nun gut oder schlecht? Das kommt drauf an, ob Sie Kunde oder Versicherer sind. Für Kunden (zum Beispiel Riestersparer) ist es eher schlecht. Als Folge der prognostizierten sehr langen Lebenserwartung bekommen sie nur kümmerliche Renten. Schließlich muss das bis zum Rentenalter gesammelte Kapital in der Auszahlphase enorm lange gestreckt werden. Für die Versicherer hingegen ist die Annahme, wir alle würden so alt wie Methusalem, höchst lukrativ. Für jeden Monat, den die Kunden in der Realität früher sterben, muss keine Rente gezahlt werden. Da kommen große Summen zusammen. Risikogewinne nennt man das. Sie betragen für alle Lebensversicherer derzeit jährlich rund 7 Milliarden Euro. Nun bekämen die Kunden, so verteidigen sich die Versicherer, davon ja einen Großteil in Form von Überschussbeteiligungen wieder zurück. Mag sein, nur wer und wann etwas bekommen wird, das ist höchst ungewiss. Diejenigen aber, die durch ihr vorzeitiges Ableben für den Gewinn gesorgt haben, gehen dabei garantiert leer aus. Die Versicherer selber verschaffen sich durch die Rechentricks mit der Lebenserwartung einen risikolosen Profit.

Erläuterung: Die Basis für die genannten Daten bilden sogenannte Sterbetafeln. Näheres zur vom statistischen Bundesamt veröffentlichten Periodensterbetafel findet sich unter https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/Bevoelkerungsbewegung/PeriodensterbetafelErlaeuterung.html;jsessionid=7898F62735AF6241ECA4B9B6C88EC06A.InternetLive2
Die Versicherungswirtschaft entwickelt davon abweichende Tabellenwerke. Sie sollen die längere Lebensdauer von Privatversicherten widerspiegeln und enthalten darüber hinaus sehr erhebliche „Sicherheitspolster“.
Holger Balodis und Dagmar Hühne: Die große Rentenlüge – Warum eine gute und bezahlbare Altersicherung für alle möglich ist, Westend Verlag, 208 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-864889-177-9)

Für Vorträge und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.

Holger Balodis
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