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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 11/ 2017 vom 6.11.2017
Rentenniemandsland Jamaika

Die Zwischenbilanz in Sachen Jamaika scheint verheerend: Streit wohin man blickt, Klima, Flüchtlinge, Landwirtschaft. Die Rente dagegen ist für die Unterhändler kein Thema. Die gehört zwar in Umfragen zu einem der Top-Themen der Deutschen, doch für Union und FDP ist offenbar alles in Butter. Und für die Grünen gehört der Wunsch nach einer Garantierente nicht zu den Herzensangelegenheiten, für die sich ein Krach lohnte. Allenfalls kommt eine verbesserte Mütterrente, falls man der CSU noch einen Erfolg zuschustern muss. Die wird dann, so ist zu befürchten, wieder von den Beitragszahlern finanziert: 6 bis 7 Milliarden Euro kostet das pro Jahr.
Die Zukunft der Rente insgesamt soll nach dem Willen der Union demnächst in einer großen Rentenkommission von Experten verhandelt werden. Die letzte Rentenkommission erfand den Nachhaltigkeitsfaktor, der maßgeblich für die geplante Absenkung des Rentenniveaus verantwortlich ist. Die nächste Kommission wird, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, eine längere Lebensarbeitszeit verlangen: Rente mit 69? Mit 70? Das wären letztlich verkappte Rentensenkungen und damit das Gegenteil von dem, was wir tatsächlich brauchen: Höhere Renten für alle und eine Mindestrente deutlich oberhalb des Grundsicherungsniveaus. Finanziert mit etwas höheren Beiträgen (auch für Arbeitgeber!), mehr Bundesmitteln und dem Einstieg in eine echte Erwerbstätigenversicherung, die endlich die gesamte Bevölkerung einbezieht. Doch das werden Union und FDP zu verhindern wissen. Und die Grünen haben es bislang noch nicht mal verlangt. Jamaika ist auf dem Weg ins Rentenniemandsland.


Holger Balodis und Dagmar Hühne: Die große Rentenlüge – Warum eine gute und bezahlbare Altersicherung für alle möglich ist, Westend Verlag, 208 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-864889-177-9)

Für Vorträge und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.

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Dagmar Hühne
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