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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 4/2019 vom 21.3.2019
Scheinheiliges Theater ums Rentenalter

Die Arbeitgeber lancieren gerne den Wunsch nach einem höheren Renteneintrittsalter: 70 Jahre gilt bei vielen Arbeitgeberfunktionären als Wunschalter. Als Argumente müssen die angeblich knappen Rentenkassen und der Facharbeitermangel herhalten. Das längere Arbeiten sei praktisch alternativlos.
Soweit die Sonntagsreden. Die Praxis sieht anders aus. Da sollen Tausende Mitarbeiter des Leverkusener Chemiekonzern Bayer – man mag es kaum glauben – schon mit 57 Jahren in den Ruhestand geschickt werden. Die skandalöse Ursache: Die Bayer-Chefs haben sich mit der über 63 Milliarden US-Dollar teuren Übernahme des Gentechnik- und Giftkonzerns Monsanto verzockt. Nun sollen 12.000 Arbeitnehmer abgebaut werden. Ganz ähnlich sieht es bei VW aus. Hier sollen in den nächsten Jahren sogar 30.000 Arbeitnehmer über Altersteilzeitregelungen rausgehen. Und käme es zur Fusion von Deutsche Bank mit der Commerzbank, bekämen vermutlich noch mehr Mitarbeiter die Quittung für das Managementversagen der Topbanker in Form einer Frührente. Keine Rede vom Verlust an Erfahrung durch den Abgang langjähriger Mitarbeiter, die vermutlich auch andernorts angesichts des fortgeschrittenen Lebensalters keine neue Anstellung bekommen werden. Verblüfft reibt man sich da die Augen, wenn kürzlich die Bertelsmann-Stiftung – quasi die Denkfabrik der deutschen Marktwirtschaft – verkündete: das Renteneintrittsalter solle langfristig auf 70 Jahre und darüber hinaus erhöht werden. Die Arbeitgeber sind begeistert: nur so lasse sich das angeblich wilde Ausufern des Sozialstaates stoppen. In den Betrieben sehen das dieselben Unternehmer ganz anders. Hier freuen sie sich über jeden, den sie frühzeitig von der Lohnliste bekommen. Liebe Arbeitgeber: Diffamiert nicht länger den berechtigten Wunsch vieler Arbeitnehmer mit 63 Jahren in die verdiente Rente zu gehen als unverantwortliches Rentengeschenk. Solange ihr selbst die Beschäftigten nach Gusto noch viel eher in die Frührente schickt, ist das schlicht verlogen.

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Die große Rentenlüge – Warum eine gute und bezahlbare Altersicherung für alle möglich ist, Westend Verlag, 208 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-864889-177-9)

Holger Balodis
Dagmar Hühne
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