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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 6/2018 vom 24.4.2018
Absurde Riester-Pläne

Die Riester-Rente ist ein Flop. Den Offenbarungseid verkündete die Finanzwirtschaft selbst in dieser Woche: Wer heute abschließt, bekommt nach Jahrzehnten gerade so viel raus, wie an Beiträgen und Zulagen reingeflossen ist. Die Rendite geht gegen Null. Das zeigen Berechnungen des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung im Auftrag der DWS, Fondstochter der Deutschen Bank. Sie bestätigen damit eine These, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bereits vor sechs Jahren aufgestellt hatte: Man könnte das Geld genauso gut unters Kopfkissen legen!
Nur sind die Schlüsse, die hieraus nun gezogen werden, hanebüchen. Natürlich will man Riester nicht abschaffen, sondern vielmehr die Beitragsgarantie. Abschaffen will man damit jene Regel, die dafür sorgt, dass zu Rentenbeginn wenigstens die eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen müssen. Begründung: dann könne man das Riester-Geld riskanter anlegen und für die Sparer mehr herausholen. Vielleicht klappt das. Vielleicht geht aber auch sehr viel Geld verloren und die Riester-Rente fällt noch dünner aus als heute. So würde die Riester-Rente zum Zockerprodukt.
In eine ähnliche Richtung soll ein neues Riester-Standardprodukt gehen, das der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft gerade entwickelt. Auch die Deutschland-Rente, eine vom Land Hessen favorisierte Riester-Alternative, will weniger Garantien und mehr Risiken. Dabei stellt sich natürlich die Frage, was das alles soll. Die Riester-Rente war gedacht als Kompensation für die unter Schröder-Riester beschnittene gesetzliche Rente. Das ging unstrittig schief: Weniger als die Hälfte der Rentenversicherten riestert tatsächlich. Viele haben längst das Handtuch geworfen und gekündigt. Und für die, die noch treu einzahlen, wartet am Ende eine durchschnittliche Riester-Rente von gut 78 Euro monatlich. Altersarmut verhindert das mit Sicherheit nicht. Was wir brauchen ist kein Zockerprodukt, wie es sich die Finanzwirtschaft wünscht, sondern eine sichere Alterssicherung für alle. Glücklicherweise gibt es das schon: die gesetzliche Rente. Packen wir also das, was derzeit in die Riester-Rente fließt, in die gesetzliche Rente. Zu unschlagbar niedrigen Kosten, paritätisch finanziert und einer Rendite von derzeit rund 3 Prozent. Was Besseres gibt es nicht. Wer darüber hinaus Geld in riskanten Finanzprodukte investieren will - nur zu! Dann allerdings freiwillig und ohne staatliche Zulagen.


Holger Balodis und Dagmar Hühne: Die große Rentenlüge – Warum eine gute und bezahlbare Altersicherung für alle möglich ist, Westend Verlag, 208 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-864889-177-9)

Für Vorträge und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.

Holger Balodis
Dagmar Hühne
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