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Hier können Sie sämtliche Ausgaben des Newsletters aus dem Jahr 2013 abrufen:

Newsletter 18/ 2013 vom 11.12.2013

Was bewirkt abschlagsfreie Rente mit 63?

Die Rente schon mit 63 - abschlagsfrei für alle mit mindestens 45 Versicherungsjahren – gilt als großer Erfolg der SPD im Koalitionsvertrag. Sogar die Jusos haben das beklatscht. Zu Recht? Leider nein. Natürlich ist es für jeden, der zwei Jahre eher in den ungekürzten Rentenbezug kommt, eine gute Sache. Doch wo bleiben all die anderen Versicherten? Benachteiligt werden insbesondere jene, die knapp an den 45 Jahren scheitern. Und das trifft dann oft die, die ihren Job wegen sehr beanspruchenden Tätigkeiten nicht so lange durchhalten. Beispiel: Wer nur 43 Jahre schafft, bekommt annähernd 12 Prozent weniger Rente als der Kollege, der 45 Jahre erreicht und zuvor gleich viel verdient hatte. Ist das wirklich gerecht? Besser eine Leistungsverbesserung für alle Rentner, damit alle langjährig Versicherten am Ende ihres Berufslebens der Armutsfalle entgehen. Die im Koalitionsvertrag beschlossene Lösung begünstigt nur eine sehr kleine Gruppe und sorgt damit leider für neue Ungerechtigkeiten. Und bezahlt wird sie von allen Versicherten, also auch von jenen, die nichts davon haben.

Newsletter 17/ 2013 vom 3.12.2013

Die solidarische Lebensleistungsrente – nur ein Fake?

Der Joker gegen Altersarmut: die solidarische Lebensleistungsrente. So steht es auf Seite 73 im Koalitionsvertrag. Nur: Wie viele Bezieher von Mini-Renten kommen wohl in den Genuss dieser Leistung? Eigentlich reicht ein Blick auf die geplanten Haushaltsansätze und jedem wird klar: Aus dem Heer der Mini-Rentner wird damit nur wenigen geholfen. Anfangs sind nur 100 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Das reicht gerade mal, um rund 50.000 Durchschnittsrentner von 690 Euro (so hoch war der durchschnittliche Zahlbetrag für die 22,2 Millionen Rentner zum 31.12.2012!!) auf das versprochene Niveau von 850 Euro monatlich aufzustocken. Viele Millionen Rentner gehen komplett leer aus. Der Grund: Die Bedingungen werden so hart gestrickt, dass sie von den Betroffenen kaum jemand erfüllen wird: 40 Beitragsjahre, Zwang zur privaten Altersvorsorge und da steht auf Seite 73 noch ein ganz gefährliches Wort: „Bedürftigkeitsprüfung“. Es reicht also nicht aus, vier Jahrzehnte malocht und sich die private Altersvorsorge vom Munde abgespart zu haben. Man darf so gut wie nichts auf der hohen Kante haben und der Lebenspartner auch nicht! „Hosen runter“ lautet das Motto der Großkoalitionäre. Davon war vor der Wahl keine Rede. Weder von der Union noch von den Sozialdemokraten.

Newsletter 16/2013 vom 27.11.2013

Rentenkompromiss: Sargnagel für gesetzliche Rente

Lange gestritten, aber für die meisten Rentner nix erreicht – so muss man den Rentenkompromiss des Koalitionsvertrages bewerten. Schlimmer noch: es ist ein weiterer Sargnagel für die gesetzliche Rente.
Die so genannte Mütterrente, eine eindeutig versicherungsfremde Leistung, soll voll aus Beitragsmitteln finanziert werden. Damit wird die Stabilität der Rente langfristig gefährdet und Beitragserhöhungen sind programmiert. Gleiches gilt leider auch für die abschlagsfreie Rente ab 63. Diese ist keine soziale Wohltat, sondern ein Privileg für jene, die ohnehin über die höchsten Renten verfügen. Gleichzeitig mindert die Neuregelung den Spielraum für Leistungsverbesserungen zu Gunsten aller Versicherten. Im Klartext: Alle, die 45 Versicherungsjahre nicht erreichen, schauen in die Röhre. Ihnen werden ihre ohnehin niedrigeren Renten weiter gekürzt! Keine Rede im Koalitionsvertrag von einer notwendigen Anhebung des Rentenniveaus für alle Rentenversicherten. Keine Rede von einer Streichung von Riester- und Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel. Dafür die Ankündigung einer Geringverdienerrente in Höhe von 850 Euro. Ab 2017. Womöglich auch aus Beitragsmitteln der Rentenkasse finanziert. Das wäre dann nichts anderes als eine Subventionierung der staatlichen Grundsicherung zu Lasten der Rentenversicherten. Und der Anfang vom Ende einer armutsvermeidenden und beitragsgerechten Rentenversicherung.

Newsletter 15/2013 vom 11.11.2013

Schädigt die EZB uns Sparer wirklich?

Seltsame Einigkeit herrscht in diesen Tagen: EZB-Chef Draghi schädigt mit der Zinssenkung auf 0,25 Prozent die Vorsorgesparer, während sich die Aktionäre über eine neues Kursfeuerwerk freuen können. Doch stimmt das überhaupt?
So scheren sich die Zinssätze am Bankschalter vielfach erstaunlich wenig um den EZB-Zins. Die betragen für Konsumentenkredite in der Regel 5 bis 7 Prozent und oder für das Kontoüberziehen glatt das Doppelte! Und was ist mit des Deutschen liebster Altersvorsorge: Der Lebensversicherung? Weshalb soll die inklusive der staatlich verordneten Riester-Rente am Ende sein, nur weil der Zentralbankzins von 0,5 auf 0,25 Prozent fällt? Fakt ist: Schon in der Vergangenheit waren die Zuteilungen an die Kunden mehr als mickrig. Und das obwohl die Versicherer mit ihren Kapitalanlagen im vergangenen Jahr noch eine Nettoverzinsung von stolzen 4,6 Prozent erwirtschafteten. Wenn sich private Lebens- und Rentenversicherungen für Kunden nicht mehr lohnen, dann liegt das an hausgemachten Problemen: Hohe Kosten, eine intransparente Zuteilung von Überschüssen und das Abzweigen von milliardenschweren „Sterblichkeitsgewinnen“. Wenn nun der Niedrigzinspolitik der schwarze Peter zugeschoben wird, ist das ein billiges Ablenkungsmanöver. Lebensversicherer könnten mehr zuteilen, wenn sie wirklich wollten. Außerdem: Wer verbietet es eigentlich den deutschen Lebensversicherungen in Aktien und Immobilien zu investieren? Diese beiden Anlagegruppen gehören nach allgemeiner Lesart zu den großen Gewinnern der EZB-Billigzinsen. Und spielen in den Anlagen der Versicherer aktuell nahezu keine Rolle.

newsletter 14/2013 vom 7.11.2013

Was nimmt uns die Luft zum Atmen?

Die Kosten fürs Wohnen nehmen immer dramatischere Ausmaße an: 352 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2012 fürs Wohnen aus. Weniger bekannt ist, in welchem Maße Versicherungsbeiträge den Verbrauchern die Luft zum Atmen nehmen: knapp 400 Milliarden Euro gaben sie hierfür im Vorjahr aus. Etwas über die Hälfte für Sozialversicherungsbeiträge, also für Renten-, Kranken- , Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Da kommen die Bürger kaum drum rum. Doch die erstaunliche Summe von 182 Milliarden Euro lassen wir uns auch unsere 459 Millionen privaten Versicherungsverträge kosten. Jeder Bundesbürger hat damit statistisch mehr als 5,5 private Versicherungsverträge und gibt dafür im Schnitt 2.256 Euro jährlich aus. Rund die Hälfte davon fließt übrigens in Lebensversicherungen und Privatrenten. Gedacht sind diese Ausgaben in den meisten Fällen als Altersvorsorge oder Geldanlage. Doch dafür sind diese Produkte gar nicht geeignet. Enorm hohe Kosten zerstören den Sparerfolg. Weit mehr als die Hälfte der teuren Lebensversicherungen wird vorzeitig und verlustreich gekündigt. Irgendwann merken die Verbraucher eben doch, dass sie auch Geld zum Leben brauchen.

Gerne vertreten wir unsere Positionen in Vorträgen und Diskussionen.

Newsletter 13/2013 vom 27.10.2013

Kommt die Solidar-Lebensleistungsrente?

Die Großkoalitionäre werden sich in Sachen Rente vermutlich schnell einigen. Die Unterschiede von Lebensleistungsrente (CDU) und Solidarrente (SPD) sind überschaubar. Für künftige Rentner verheisst das jedoch nichts Gutes. Denn beide Konzepte werden nicht für auskömmliche Renten sorgen. Im Gegenteil: der Marsch in die Altersarmut geht weiter.
Grund Nr.1: die Voraussetzungen für die neue Solidar-Lebensleistungsrente werden relativ hart ausfallen: 40 oder 45 Versicherungsjahre. Außerdem werden wohl viele Jahre an zusätzlicher privater Vorsorge verlangt. Es soll ja nicht allzu viel kosten. So werden nur relativ wenige in den Genuss der neuen Leistung kommen, die mit 850 Euro knapp oberhalb der Grundsicherung angesiedelt werden soll.
Grund Nr.2: Was ist mit jenen, die Renten von 860 Euro oder etwas mehr beziehen werden? Die sind zwar auch massiv von Armut bedroht, doch denen nutzt die Renten-Beruhigungspille der Großkoalitionäre nichts!
Grund Nr.3: Die private Zusatzvorsorge à la Riester funktioniert nicht. Sie wird nie und nimmer die gerissene Lücke im gesetzlichen System schließen.
Die beteiligten Politiker behandeln die kommende Altersarmut noch immer wie ein exotisches Problem, das uns nicht wirklich angeht: dabei wird die Zahl von rund 500.000 „Aufstockern“, die neben ihrer Rente noch Grundsicherung beziehen, schon in wenigen Jahren auf viele Millionen steigen.
Ohne eine deutliche Anhebung der gesetzlichen Renten für alle Versicherten wird es nicht gehen. Rentenpolitische Beruhigungspillen wie Solidar- oder Lebensleistungsrenten reichen jedenfalls nicht.

Gerne vertreten wir unsere Position auf Vorträgen und Diskussionen.

Newsletter 12/2013 vom 23.10.2013

Altersarmut – dabei liegt die Lösung doch so nahe!

Die Ignoranz deutscher Politiker wird allmählich unerträglich. Dabei ist die jüngste repräsentative Umfrage des DGB deutlich: Die Deutschen befürchten massive Altersarmut. 82 Prozent glauben, dass sie von der Rente nicht oder allenfalls nur noch mies werden leben können. Eine sehr realistische Sichtweise. Denn seit rund 15 Jahren agieren die führenden Politiker als rentenpolitische Geisterfahrer: Sie haben die gesetzliche Rente radikal zusammen gestrichen. Verweisen das Volk stattdessen auf die private Vorsorge und haben diese Produkte schon mit über 20 Milliarden Euro subventioniert. Dabei ist längst offenkundig und unbestritten: die gerissenen Löcher können durch die Riester-Rente nie und nimmer gestopft werden. Auch ist angesichts der Banken- und Finanzkrise klar, dass von Sicherheit bei den privaten Altersvorsorgeprodukten keine Rede sein kann. Allianz & Co bringen nun sogar Produkte auf den Markt, die keine Garantieleistungen mehr enthalten. Ein Blindflug in die Rente!
Bereits in dem vor einem Jahr erschienen Buch „Die Vorsorgelüge“ haben wir vorgerechnet: Wer heute einen privaten Rentenvertrag abschließt, wird zu 80 bis 90 Prozent damit effektiv Verluste machen, also weniger rausbekommen als er zuvor eingezahlt hat. Und das liegt weniger an der Niedrigzinspolitik als an der verbraucherfeindlichen Konstruktion dieser Produkte.
Dabei wäre alles so einfach: Der Kahlschlag in der gesetzlichen Rente ist umgehend zu korrigieren. Statt die Rente auf 43 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens abzusenken, sollte sie auf rund 60 Prozent angehoben werden. Das ließe sich mit moderaten Beitragssatzsteigerungen finanzieren. Dafür würden die Riester-Beiträge wegfallen. Unterm Strich würde das für die Arbeitnehmer sogar billiger. Worauf warten wir eigentlich noch?

Wir vertreten unsere Position gerne auf Vorträgen und Diskussionen!

Newsletter 11/2013 vom 16.10.2013

Clements Märchenstunde für die INSM - Demografie als angeblicher Grund für weitere Rentenreformen

Die Agenda 2010 hat die Sozialdemokraten bei Bundestagswahlen auf Ergebnisse von 25 Prozent oder weniger festgenagelt. Da legt ein Ex-Sozialdemokrat weiter nach: Wolfgang Clement präsentierte für die Initiative Neue Soziale Markwirtschaft (INSM) die „Chance 2020“. Angeblich mit Rückendeckung der Bevölkerung: Rund 1000 Bürger hat die von den Metall-Arbeitgebern finanzierte INSM befragen lassen. 85 Prozent halten den demografischen Wandel für eine wichtige Herausforderung. 93 Prozent der bis 39-jährigen fordern die neue Regierung auf, hier mutige Reformen anzupacken. Den größten Reformdruck sehen sie in der Rentenpolitik. Für die INSM bedeutet „Chance 2020“: Schrittweise Einführung der Rente mit 70 und weitere konsequente Förderung einer privaten kapitalgedeckten Rente. Wolfgang Clement fordert, dass aus „dieser Reformbereitschaft nun auch dringend Reformen werden sollten“. Nur, sollten diese Reformen tatsächlich in die von der INSM ausgelobte Richtung gehen? Wohl kaum!
Bereits die von der INSM tatkräftig unterstützte Teilprivatisierung (Riester-Reform) und die Rente mit 67 wird zu massiven Rentenkürzungen führen. Viele werden dadurch Renten bekommen, die rund ein Drittel niedriger ausfallen. Soll das alles noch schlimmer werden?
Wenn die Menschen einen massiven Handlungsbedarf bei der Rente sehen, kann das nur bedeuten: Korrigiert schleunigst den Rentenkahlschlag! Stoppt die Privatisierung der Altersvorsorge und stärkt das bewährte Umlageverfahren! Und macht klar, dass die demografische Entwicklung keinen Zwang zur Rentenkürzung bedeutet!
Es ist vielmehr die Herausforderung, deutlich mehr versicherungspflichtige Beschäftigung zu schaffen. Dass es geht, beweisen sogar die von der INSM vorgelegten Zahlen: Im Jahre 2030 soll die Zahl der Erwerbspersonen auf 39,1 Millionen sinken. Doch das wären erstaunlicherweise sogar über 10 Millionen Menschen mehr, als derzeit versicherungspflichtig beschäftigt sind.
Fazit: Es ist ein Märchen, dass die Zahl der Beitragszahler demografiebedingt sinken muss. Vielmehr gilt: Die Gesellschaft muss alles daransetzen, das Arbeitskräftepotenzial wirklich auszuschöpfen. Die Reserven sind und bleiben beträchtlich.

Gerne vertreten wir unsere Position auf Vorträgen und Diskussionen.

Newsletter 10/2013 vom 01.10.2013

Folge der Renten-Privatisierung: Weniger Geld für Kunden

Stolz meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in dieser Woche: „Versicherungsleistungen steigen auf Rekordniveau!“ Was die Lebensversicherung anbelangt, den bedeutsamsten und größten Versicherungszweig, führt dies auf die falsche Fährte: Hier sind die ausgezahlten Gelder im vergangenen Jahr um über 9 Milliarden Euro gefallen: von 85,0 Mrd. Euro (2011) auf 75,7 Mrd. Euro (2012).
Und das liegt nicht an der anhaltenden Niedrigzinsphase, der Finanzkrise oder sinkenden Verkaufszahlen in diesem Versicherungszweig. Vermutlich sind es die ersten Auswirkungen eines fundamentalen Umbaus in der Altersvorsorge, der seit der Riester-Reform staatlich gefördert wird: die klassische Lebensversicherung ist ein Auslaufmodell, wird seit Jahren nicht mehr aktiv verkauft. Statt dessen private Rentenversicherungen wie Riester, Rürup & Co. Die werden aber bei Rentenbeginn nicht mehr (oder nur mit Hindernissen) voll ausgezahlt, sondern nur in schmalen Häppchen lebenslang zugeteilt.
Folge: Das Geld der Kunden bleibt über einen wesentlich längeren Zeitraum bei den Lebensversicherern gebunkert. Die monatlichen Renten hingegen fallen aufgrund unrealistischer Annahmen über die Lebenserwartung sehr niedrig aus. Und werden die Kunden nicht so alt wie prognostiziert, machen sie (bzw. ihre Erben) mit den neuen Produkten ein sattes Verlustgeschäft. Für viele wohl der Normalfall.
Fazit: Schon bei der früher verkauften Kapitallebensversicherung erhielten nur die wenigsten Kunden die versprochene Ablaufsumme. Das Landgericht Hamburg sprach in diesem Zusammenhang bereits 1983 von „legalem Betrug“ (Az. 74047/83). Um wie viel ungewisser und in den meisten Fällen für den Kunden noch schlechter sind da wohl die Leistungen der neuen Rentenprodukte?

Wer mehr wissen will, findet es unter www.vorsorgeluege.de

Newsletter 09/2013 vom 20.9.2013

Informierte Kunden als größte Gefahr für Versicherer

Kürzlich listete die Swiss Re in einem Report die 27 größten Risiken auf, die angeblich die Versicherungswirtschaft gefährden: von lang anhaltenden Stromausfällen, über Cyber-Attacken bis zu unvorhergesehenen Folgen der Nanotechnologie. Was offenbar aus Sicht der Versicherungsexperten keine Gefahr darstellt: der mündige in Finanzfragen geschulte Verbraucher. Entweder, weil ein solcher Kundentyp aus Sicht der Risikoforscher nur allzu unwahrscheinlich ist. Oder: Weil die Versicherer eine solche Gefahr aus Sicherheitsgründen besser erst gar nicht an die Wand malen. Finanzclevere Kunden könnten nämlich erkennen, dass Privatrentenprodukte am Ende für die meisten ein Verlustgeschäft darstellen. Und die Branche könnte dann ihre mehr als 6 Millionen Neuabschlüsse pro Jahr vergessen. Muss sie glücklicherweise aber nicht. Denn in einer Umfrage der ING-Diba erklärten sich 35 Millionen Deutsche über 18 Jahren ganz offiziell zu „finanziellen Analphabeten“.
Wäre es anders, dann würde das Volk der Schnäppchenjäger bei der Wahl von Lebensversicherungsprodukten zumindest ein wenig mehr auf den Preis achten. Unter den zehn größten Lebensversicherungen gibt es mit der CosmosDirekt (auf Platz acht) nur einen halbwegs günstigen Direktversicherer (vertrieben ohne Außendienst oder Makler).
An der Spitze des Marktes thronen mit Allianz, R+V, AachenMünchner, Generali und Zurich Gesellschaften, die von einem teuren Außendienst, von Strukturvertrieben oder von Banken vertrieben werden. Gegen hohe Provisionen. Folglich sind die Abschlusskosten um ein Vielfaches höher als bei günstigen Direktversicherern.
Eigentlich hätten die großen Versicherungen allen Grund, aufgeklärte Verbraucher für das größte Geschäftsrisiko zu halten.

Newsletter 08/ 2013 vom 18.09.2013

Schätzungsweise 14 Milliarden Euro Verluste jährlich durch gekündigte Lebensversicherungen


Der BGH hat am Mittwoch entschieden: Lebensversicherungen dürfen bei Kündigungen bis zu 50 % der zuvor gezahlten Beiträge behalten. Ein unglaubliches Urteil. Doch welcher Schaden damit den deutschen Vorsorgesparern ersteht, blieb bislang im Dunkeln. Dabei hilft ein Blick in die Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der weist in seiner Publikation "Die Deutsche Lebensversicherung in Zahlen" auf Seite 22 für das Jahr 2012 vorzeitige Leistungen von 14,4 Milliarden Euro aus. Das sind die Auszahlungen für gekündigte Lebens- und Rentenverträge. Da in der Vergangenheit in vielen Fällen sogar noch weniger als die Hälfte der zuvor eingezahlten Beiträge erstattet wurde, bedeutet das im Umkehrschluss: vermutlich ist der Schaden für Kunden durch die stornierten Verträge noch höher gewesen als die genannten 14,4 Milliarden Euro. Es sind also gewaltige Finanzströme, die den Kunden sowohl für eine alternative Altersvorsorge oder eine Konsumverwendung fehlen. Man könnte es auch eine Form der legalen Enteignung nennen.
Damit wird auch klar, dass die 2011 erstellte Studie ("Bei Abschluss - Verlust? - Das Ende vom Anfang einer Vorsorge") von Prof. Andreas Oehler wohl im Kern zutraf. Der Bamberger Professor hatte die Stornoverluste für die Kunden pro Jahr mit 16 Milliarden Euro beziffert und war daraufhin von der Versicherungswirtschaft arg angefeindet worden. Die Zahlen der Versicherer selber bestätigen nun in Kombination mit dem jüngsten BGH-Urteil folgende Größenordnung: Auch in Zukunft dürfen die Lebensversicherer ihren Kunden pro Jahr rund 14 Milliarden Euro aus gekündigten Verträgen vorenthalten.

Newsletter 07/ 2013 vom 02.09.2013

Lebensversicherer wollen sich um Zuteilungen drücken – obwohl sie blendende Renditen erzielen

Das passt nicht zusammen: Deutschlands Lebensversicherer präsentieren für das vergangene Jahr Nettoverzinsungen ihrer Kapitalanlagen in Rekordhöhe. Gleichzeitig verkünden zahlreiche Unternehmen ganz offiziell, dass sie ihren Kunden noch weniger als bislang zuteilen wollen. Bei der Versicherungsaufsicht Bafin haben sie eine vorläufige Aussetzung der Mindestzuführungsverordnung beantragt. Bereits zu Jahresbeginn war bekannt geworden, dass die so genannte Überschussbeteiligung in der deutschen Lebensversicherung auf einen Tiefstand gefallen war.
Die Fakten: Trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase stieg die Nettorendite (also nach Abzug der für die Kapitalanlage angefallenen Kosten) von 4,1 % auf 4,6 %. Ganz vorne die „Neue Bayerische Beamten“ mit 6,0 % und die PB Leben mit 5,6 %, aber auch Branchenprimus Allianz hat mit 5,0 % eine recht ordentliche Verzinsung seiner Kapitalanlagen eingefahren. Den Versicherungskunden nutzt das freilich wenig. Sie haben zwar mit ihren Prämien in der Vergangenheit, das Kapital (rund 750 Milliarden Euro) angehäuft, das sich nun so blendend rentiert, doch gutgeschrieben wird es ihnen deshalb noch lange nicht.
Mehr als 10 Versicherer haben nun beantragt, dass sie ihre Kunden vorläufig nicht mehr wie bislang vorgeschrieben beteiligen müssen. Damit scheint eins klar: Vermutlich kommt es für die Kunden von Lebens- und Rentenversicherungen noch schlechter als bisher. Denn gut war ihre Situation auch bislang nicht. Zwar sind in der Mindestzuführungsverordnung Prozentsätze genannt, die den Kunden von den Zins-, Risiko- und Kostengewinnen zustehen. Doch können diese Gewinne in Form von Rückstellungen über viele Jahre vor den Versicherten „versteckt“ werden. Der einzelne Kunde kann aus der Mindestzuführungsverordnung so gut wie keine Rechte für seinen Vertrag ableiten. Ganz gleich wie gut die Geschäfte der Lebensversicherung auch laufen mögen. Dieser Missstand, der bislang eher im Verborgenen schlummerte, wird durch den offiziellen Antrag der betroffenen Lebensversicherer nun ans Tageslicht gezerrt. Für diesen mutigen Schritt gebührt den Versicherern eigentlich Respekt. Macht er doch deutlich, was Kunden von privaten Rentenversicherungen zu erwarten haben: Wenig. Viele werden sogar über die ganze Laufzeit betrachtet weniger rausbekommen als sie zuvor einbezahlt haben. Ein echtes Verlustgeschäft.

Newsletter 06/ 2013 vom 23.08.2013

Offenbarungseid der seltenen Art:
Versicherungsbranche ruft nach Staat: Begrenzung der Abschlusskosten! – Nur ein Trick?

Die Kosten laufen aus dem Ruder und nun soll es wieder mal der Staat richten. Deutschlands Lebensversicherer lancieren über ihren Lobbyverband GDV ein Gesetzesvorhaben, das die Abschlusskosten begrenzen soll. „Ein Armutszeugnis“ ätzt mit Recht der Verband der Versicherungsmakler. Denn die angeblich so effizienten privaten Anbieter, die am liebsten der staatlichen Rente komplett das Wasser abgraben würden, schaffen es nicht mehr, vernünftige Ergebnisse abzuliefern. Am Pranger stehen nun die Vermittlerprovisionen, also das, was bei Vertragsschluss unmittelbar an Kundengeldern verbraten wird. Branchenweit sind das über 8 Milliarden Euro. Jährlich. Geld, das für den Sparvorgang der Versicherungskunden für immer verloren ist. Doch das hat die Versicherer in der Vergangenheit offenkundig nie gestört. Sie wussten: Nur dank massiver Belohnungen drückt der Außendienst die privaten Policen in den Markt. Das räumt Ergo Vorstand Johannes Lörper im Buch „Die Vorsorgelüge“ ganz offen ein: „Die Produkte verkaufen sich nicht von alleine. Es gibt hohe Kaufwiderstände.“
Und gebrochen werden diese „Kaufwiderstände“ eben nur von hoch motivierten und gut bezahlten Vermittlern. Die verdienen an einem fetten Altersvorsorgevertrag schon mal 5.000 bis 10.000 Euro. Das ölt die Zunge ordentlich. Und so soll das auch bleiben, denn die Begrenzung orientiert sich grob an den bisherigen Richtlinien: Höchstens vier Prozent der Beitragssumme sollen die Vermittler erhalten.
In Wahrheit will der Gesamtverband der deutschen Versicherungen (GDV) mit seiner Initiative der Politik wohl nur den Wind aus den Segeln nehmen. Offenbar sehen die Versicherer die ernsthafte Gefahr, dass die nächste Bundesregierung Versicherungsprovisionen komplett verbietet, wie bereits in England und den Niederlanden geschehen. Motto: Lieber den (leicht verwässerten) Status Quo retten, bevor das Geschäftsmodell komplett abhanden kommt!
Wenn es den Versicherern auf gute Ergebnisse für ihre Kunden ankäme, hätten sie in der Vergangenheit bereits aus freien Stücken auf die Kostenbremse treten können. Es hat sie ja niemand gezwungen, ihre Produkte von teuren Strukturvertrieben wie der DVAG, OVB, MLP oder Swiss Life Select (Ex AWD) unters Volk bringen zu lassen, die überhöhte Provisionen kassieren. Und es hat sie niemand gezwungen, sich weitere Kostenarten auszudenken, die unterm Strich dazu führen, dass ein ganz normaler Rentenvertrag mit rund 15 Prozent Kosten belastet wird. So scheint die aktuelle Initiative der Versicherungen nur ein plumper Trick: was wie die Sorge um Kostenbegrenzung ausschaut, ist die Zementierung eines kundenunfreundlichen Gebührenmodells. Und das dann mit dem Segen des Gesetzgebers. Also alles wie gehabt: Riester lässt grüßen!

Newsletter 05/ 2013 vom 03.07.2013

Altersversorgung: Das Märchen von der demographischen Katastrophe
- und wer davon wirklich profitiert.

Seit mindestens 20 Jahren wird sie bemüht, um uns Angst zu machen:
Die demographische Katastrophe. Wahlweise auch Demographie-Falle genannt. Angeblich bedroht sie unmittelbar unsere Sozialsysteme. Und die Wirtschaftsleistung. Das Wachstum sowieso. Doch was ist dran an dem Szenario eines aussterbenden Volkes, dessen Sozialversicherungen kollabieren? Wenig – sogar sehr wenig! Dabei scheinen die Fakten so eindeutig: In Deutschland werden seit Jahrzehnten zu wenig Kinder geboren. Die Jungen werden also weniger und die Alten immer mehr. Und die Alten werden obendrein immer älter. Die These, dass die Demographie das Rentensystem sprengt, scheint deshalb plausibel. Und dennoch ist sie falsch.

Erstens ist noch längst nicht ausgemacht, dass die Bevölkerungszahl tatsächlich sinkt. Und zweitens kommt es für die Finanzierung der Rente nicht auf das Verhältnis von Jungen zu Alten an, sondern auf das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenempfängern.
Doch zunächst zur Bevölkerungszahl: 2012 stieg zum dritten Mal in Folge die Bevölkerungszahl in Deutschland. Das heisst: die Zuwanderung übertrifft seit drei Jahren locker die Zahl der Auswanderer und das Geburtendefizit. In den kommenden fünf Jahren ist sogar mit einer weiteren Zuwanderung von über 2 Millionen jungen gut ausgebildeten Südeuropäern zu rechnen. Dennoch wird weiter – so als handele es sich quasi um ein Naturgesetz - in den Medien berichtet, im Jahre 2050 lebten nur noch 70 Millionen Menschen in Deutschland.
Doch das Demographieargument zieht aus einem weiteren Grund nicht: ob unsere beitragsfinanzierten Sozialsysteme funktionieren, hängt von dem Verhältnis der Beitragszahler zu den Leistungsempfängern ab. Es geht also nicht um die absoluten Zahl der Bevölkerung oder das Verhältnis von Jungen zu Alten. Es kommt vielmehr auf die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten im Verhältnis zu der Zahl der Rentner an.
Und hier haben wir bei gerade mal 29 Millionen versicherungspflichtig Beschäftigten von 42 Millionen Erwerbstätigen noch reichlich Luft nach oben.
Wir leisten uns noch immer rund 3 Millionen Arbeitslose, 7,5 Millionen Minijobber und rund 2,5 Millionen Solo-Selbstständige. Gelänge es auch nur die Hälfte davon in versicherungspflichtige Jobs zu bringen, wäre die demographische Katastrophe entschärft. Und es wäre gegen alle Unkenrufe möglich, zum Rentenniveau vor den Riester-Reformen zurückzukehren und eine armutsfeste Rente zu zahlen. Dennoch behauptet auch weiter eine Vielzahl von so genannten "Experten" und eine Mehrzahl der Medien, ohne eine noch stärkere zusätzliche private Altersvorsorge sei der Weg in die Altersarmut programmiert. Welche Interessen werden damit bedient?
Natürlich die Interessen von jenen, die uns seit Jahren erzählen, das umlagefinanzierte Sozialsystem stünde durch die demographische Entwicklung vor dem Zusammenbruch: es sind die Banken und privaten Versicherungen, die mit den für sie tätigen Lobbyisten und Wissenschaftlern diese Gesellschaft einer regelrechten Gehirnwäsche unterzogen haben. Mit Erfolg: Seit den rot-grünen Riesterreformen haben wir Deutsche schätzungsweise 50 Millionen private Rentenversicherungen abgeschlossen. Den Beweis, dass solche Verträge uns besser vor Altersarmut schützen, ist die Finanzlobby bislang jedoch schuldig geblieben. Im Gegenteil: die Produkte sind so konstruiert, dass die Mehrheit der Kunden am Ende effektiv weniger rausbekommt als sie zuvor einbezahlt haben. Ein Minusgeschäft!

Newsletter 04/ 2013 vom 12.06.2013

Altersarmut ante portas – Wer hat Recht: Die Bild-Zeitung oder die Rentenkasse?


Jede zweite Rente ist niedriger als Hartz4, meldet die Bild-Zeitung und sieht dies als Indiz für massenhaft drohende Altersarmut. Beleidigt reagiert die staatliche Rentenversicherung: Die Zahlen stimmten zwar, doch die Statistik würde eindeutig fehl interpretiert. Dass 2012 tatsächlich 48,21 Prozent der Renten weniger als 700 Euro betrugen, liege zu einem erheblichen Anteil daran, „dass Versicherte nur kurze Zeit in die Rentenversicherung eingezahlt haben.“ Als Beispiele nennt die Rentenversicherung „etwa Selbstständige, Hausfrauen und Beamte, die nur kurz rentenversicherungspflichtig gewesen sind.“ Also Spezialfälle, die die Statistik verzerren, soll das wohl heißen.
Reichlich viele Spezialfälle, wenn sie fast die Hälfte der ausgezahlten Renten ausmachen! Und was die Rentenversicherung in ihrer Entgegnung nicht sagt: Schon heute bekommen viele, die nicht nur kurze Zeit, sondern tatsächlich 35, 40 oder mehr Jahre gearbeitet haben, nur wenig mehr als Hartz4. Die Renten dieser langjährig Versicherten (mindestens 35 Versicherungsjahre) liegen oft deutlich unter 1000 Euro. Sie sind inflationsbereinigt fast ein Viertel niedriger als zur Jahrtausendwende – bevor zunächst „Rot-Grün“ und später „Schwarz-Rot“ in mehreren Reformen die gesetzliche Rente demontierten.
Und es wird noch wesentlich schlimmer kommen: Schon in wenigen Jahren wird ein Großteil der langjährig Versicherten nur noch Renten beziehen, die unterhalb des Grundsicherungs- bzw. Hartz4-Niveaus liegen. Im Jahre 2030 wird das alle treffen, die 40 Jahre lang im Schnitt höchstens 2.200 Euro brutto verdient haben. Das sind derzeit rund 12 Millionen der versicherungspflichtig Beschäftigten. Große Teile der in Gastronomie, Handel und Handwerk Tätigen sind damit akut von künftiger Altersarmut bedroht. Von jenen, die sich heute mit einem Minijob über Wasser halten oder arbeitslos sind, gar nicht zu reden.
Fazit: Heute mag man es noch als Spezialfälle abtun, schon in wenigen Jahren wird es die Mehrheit der ausgezahlten Renten betreffen. Und das gilt dann sogar für Rentner, die 35 und mehr Jahre gearbeitet und eingezahlt haben. Rente unter Hartz4 Niveau wird der Normalfall werden. Jedenfalls, wenn die Rentengesetze so bleiben wie sie sind. Darauf sollte die Deutsche Rentenversicherung Bund eigentlich hinweisen und die reißerischen Bild-Thesen als Steilvorlage nutzen. Jedoch nicht, um sich trickreich zu verteidigen, sondern um eine Korrektur der Rentengesetze und eine Wiederbelebung der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente anzumahnen. Es würde sich lohnen.

Newsletter 03/2013 vom 05.06.2013

Neue Garantien: Versicherungen nutzen Zinstief schamlos aus

Das Gejammere ist seit Monaten groß - die Niedrigzinspolitik der EZB gefährde das Geschäftsmodell der deutschen Lebensversicherung. Die könne ihren Kunden keine ordentlichen Zinsen mehr zahlen. Die Inflation fresse die Ersparnisse auf. Ein Skandal. Und die Schuld haben Draghi, Merkel & Co. Wirklich? Die Versicherungen sind über die Niedrigzinsen sogar so besorgt, dass sie in diesen Tagen – quasi aus Notwehr - ganz neue Produkte präsentieren: Statt wie bisher lebenslang, soll der Garantiezins zum Beispiel nur noch für begrenzte Zeit gelten. Der Hintergrund: Bei Neuverträgen beträgt der Garantiezins derzeit 1,75 Prozent. Selbst dieser mickrige Zinssatz soll für Allianz & Co eine ernsthafte Belastung darstellen. Einigen Gesellschaften drohe – so wird orakelt – angesichts des derzeitigen Zinsfiaskos sogar der Ruin. Um es deutlich zu sagen: das ist hanebüchener Unfug.
Wer in die Geschäftsberichte der Lebensversicherer schaut, findet dort ganz andere Zahlen: die aus Kundengeldern finanzierten Kapitalanlagen werfen netto in der Regel zwischen 3,5 und 4,5 Prozent Zinsen ab. Das schafft reichlich Luft für höhere Zinsen zugunsten der Versicherten. Theoretisch jedenfalls. Und dann gibt es ja noch die Kosten- und Risikogewinne, die beispielsweise entstehen, wenn Kunden vorzeitig kündigen oder früher sterben als kalkuliert. Branchenweit sind das Jahr für Jahr viele Milliarden Euro. Auch die können verwendet werden, um den Kunden dauerhaft gute Zinsen zu zahlen. Satt oberhalb der Inflationsrate. Theoretisch jedenfalls. Statt dessen kündigen die Lebensversicherer nun ganz neuartige Garantien an, von denen derzeit aber noch niemand so recht weiß, was sie wirklich bringen werden. Nebulös ist von einer „zeitlichen Befristung“ der Garantien die Rede oder von „flexibleren Garantien“. Angeblich soll das am Ende sogar die Rendite erhöhen. Doch zunächst einmal bedeuten kürzere oder flexiblere Garantien für den Kunden weniger Sicherheit und weniger Berechenbarkeit. Dabei können die Versicherer die Attraktivität ihrer Produkte schon heute problemlos steigern: indem sie die Kunden fair an den Erträgen beteiligen. Theoretisch jedenfalls.

Newsletter 02/ 2013 vom 27.05.2013

Ausreichend hohe Renten sind finanzierbar – die Mär von der Überforderung der Jungen!

Nur eine Rückkehr zum alten Rentenniveau vor der Riester-Reform kann künftige Altersarmut verhindern. Punkt. Nur: Ist das auch finanzierbar? Ja. Doch überlastet das nicht die Jungen, die heutigen Beitragszahler? Nein. Die Überlegungen sind relativ einfach. Hätten Rot-Grün und die große Koalition nicht mit mehreren Reformen die Renten beschnitten, so wäre der Beitrag bis zum Jahr 2030 auf 26 Prozent gestiegen. ‚Unbezahlbar’, hieß es damals. Dabei war das nur eine clevere Vorsorgelüge, um die Riester-Privatisierungs-Reform durchzusetzen. Bei Lichte betrachtet sehen die Fakten so aus: die angeblich so schlimmen 26 Prozent bedeuten 13 Prozent für die Arbeitnehmer und 13 Prozent für die Arbeitgeber. Für die Arbeitgeber wäre dies angesichts der im vergangenen Jahrzehnt stark gesunkenen Lohnstückkosten locker zu schultern. Zumal sich der Beitragssatzanstieg über viele Jahre verteilen wird. Und für die Arbeitnehmer wird es sogar billiger. Das gilt jedenfalls dann, wenn man die enormen Belastungen durch die zusätzliche private Altersvorsorge berücksichtigt, zu der alle Bundesregierungen seit der Riester-Reform den Arbeitnehmern strikt raten. So sind derzeit 4 Prozent vom Brutto als Riesterbeitrag vorgesehen. Diese Belastung muss man aber bei einem fairen Vergleich zum hälftigen Rentenbeitrag des Jahres 2030 hinzurechnen, welcher nach den Prognosen der Bundesregierung bei 22 Prozent liegen wird. Eine einfache Rechnung: 11 Prozent Arbeitnehmerbeitrag plus 4 Prozent private Vorsorge ergeben 15 Prozent. Zur Erinnerung: Ohne Riester-Reform wären es nur 13 Prozent gewesen. Die Lösung liegt also auf der Hand: Machen wir dem Riester-Spuk ein Ende und erhöhen das Rentenniveau wieder dauerhaft auf ein erträgliches Niveau. Die Folge wären höhere Renten bei einer geringeren Gesamtbelastung für die Beitragszahler. Was zunächst wie ein Taschenspielertrick klingt ist schnell erklärt. Etwas mehr belastet (aber durchaus verkraftbar) werden nämlich die Arbeitgeber, die wieder paritätisch einzahlen. Und eingespart werden viele Milliarden Euro, die derzeit in die komplizierten, enorm kostenträchtigen und wenig lukrativen Riesterverträge fließen. Für Fachleute ist das alles keine Überraschung. So erklärte uns der frühere Rentenpapst Prof. Bert Rürup in einer kritischen Rückschau der Renten-Reformen: „Es hat ja keiner behauptet, dass die Altersversorgung durch die Reformen billiger wird.“ Exakt. Siehe oben.

Newsletter 01/2013 vom 21.05.2013

Beamte und Selbstständige: Rein in die Rente!


Mit der gesetzlichen Rente geht’s bergab. Und das schon seit Jahren.
Auch Neurentner, die mindestens 35 Jahre gearbeitet haben, werden derzeit im Schnitt mit weniger als
1.000 Euro abgespeist. Zur Jahrtausendwende bekamen Neurentner noch bis zu 15 Prozent mehr Rente.
Mit Inflation ist das ein Verlust von mehr als einem Drittel. Ein bislang kaum beachteter Skandal, der sich
aber auswachsen wird: Schon in einigen Jahren werden Millionen Rentner in der Grundsicherung landen.
Die miese Behandlung der Rentner ist die bewusste Entscheidung der Politik: „Runter mit dem Rentenniveau“
und „Bahn frei“ für die private Vorsorge heißt das Motto. Rot-Grün hat’s erfunden und die Merkel-Regierung
macht munter weiter. Das hat übrigens nichts mit Demografie und noch weniger mit der Wirtschaftslage in
Deutschland zu tun. Noch haben wir keine Rentnerschwemme, die Wirtschaft läuft wie geschmiert und wir
hatten noch nie so viel Erwerbstätige wie heute: fast 42 Millionen. Was also tun? Erstens: Schluss mit der
Riesterrente. Zweitens: eine Rückkehr zum Rentenniveau des Jahres 2001 und der paritätischen Finanzierung
der gesetzlichen Rente. Und langfristig brauchen wir den Übergang in eine Erwerbstätigenversicherung:
Denn von den 42 Millionen Erwerbstätigen zahlen nur 29 Millionen in die Rentenkasse ein. Auch das hat die
Politik verbockt: Durch ausdrückliche Förderung von „Ich-AGs“ wurde die Zahl der Solo-Selbstständigen auf
2,5 Millionen aufgebläht. Und ein Heer von Mini-Jobbern wurde aus der Sozialversicherung gedrängt. Und die
Beamten? Die waren zwar noch nie drin in der Rentenkasse, würden dieser aber verdammt gut tun. Sie
bekommen im Alter vom Staat üppige Pensionen ohne einen Cent eingezahlt zu haben. Pensionen, die nicht
nur jeden Rentner neidisch werden lassen, sondern auch die Staatsfinanzen in den kommenden Jahrzehnten
schlicht aus den Angeln heben. Auf über 4.300 Euro netto monatlich bringen es Pensionärshaushalte im Schnitt
laut Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Für Rentnerhaushalte weist der Bericht inklusive
Betriebsrente und Kapitaleinnahmen nur 2.100 Euro aus. Pensionärshaushalte haben also verglichen mit Rentner-
haushalten ein doppelt so hohes Nettohaushaltseinkommen. Dass sich hieran etwas ändern muss, leuchtet ein:
Die Berechnung der Altersruhegelder sollte für alle nach den gleichen Spielregeln erfolgen.
„Beamte in die Rentenkasse“ - das wäre also auch ein Akt der Gerechtigkeit. Und ein wichtiger Beitrag für die
Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rente. Doch will das die Politik überhaupt?


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