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Archiv 2017

Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 1/2017 vom 1.3.2017

Heuchelei bei Ost-West-Rentenangleichung
Vor ein paar Tagen wurde die Ost-West-Rentenangleichung auf den parlamentarischen Weg gebracht. Und es wird dabei der Eindruck verbreitet: Endlich wird es gerecht zugehen bei den Renten. Vor allem für die ostdeutschen Rentner. Zwar erst in ein paar Jahren, doch ab Mitte 2024 wird es endlich einen allgemeinen Rentenwert für Gesamtdeutschland geben. Der um rund 6 Prozent niedrigere Rentenwert Ost wird bis dahin stufenweise angehoben. Dies nun pauschal als Vorteil für Beschäftigte und Rentner im Osten zu feiern, wäre allerdings falsch. Richtig ist, dass die derzeitigen Rentner und rentennahen Jahrgänge in Ostdeutschland profitieren werden. Sie erhalten demnächst mehr Rente als nach altem Recht. Richtig ist aber auch, dass die Hochwertung der niedrigeren ostdeutschen Einkommen für die Rente beendet wird. Was viele nicht wissen: Von Beginn an wurden die in ostdeutschen Betrieben erzielten Einkommen für die Rentenberechnung pauschal aufgewertet: 1992 beispielsweise um 44 Prozent, 2001 waren es 20 Prozent und im Jahr 2016 waren es noch 15 Prozent. Diese Hochwertungen haben den niedrigeren Rentenwert Ost stets bei weitem überkompensiert. Unterm Strich war also das Verwirrspiel mit unterschiedlichen Rentenwerten bei gleichzeitiger Hochwertung der Einkommen ein Vorteil für die Versicherten in ostdeutschen Betrieben.
Es war eine soziale Umverteilung von West nach Ost, die angesichts der niedrigen Ostlöhne nach der Vereinigung notwendig war. Und sie hat die westdeutschen Beitragszahler viele Milliarden gekostet. Dies irgendwann auslaufen zu lassen, dafür gibt es gute Gründe. Es aber als Vorteil für ostdeutsche Versicherte darzustellen ist zynisch. Für die in Ostdeutschland Beschäftigten wird die jetzt beschlossene Angleichung verglichen mit dem bestehenden Recht später zu niedrigeren Renten führen. Endet die pauschale Hochwertung der noch immer im Schnitt niedrigeren Gehälter Ost, wird die Altersarmut in einigen Jahren im Osten der Republik ganz neue Fahrt aufnehmen.


Gerne stehen wir für vertiefende Interviews und als Referenten zur Verfügung.

Holger Balodis
Dagmar Hühne
www.vorsorgeluege.de
info@vorsorgeluege.de
0221-461527 und 466590

Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 2/2017 vom 1.6.2017

Neue Betriebsrenten sind Etikettenschwindel
Heute ist ein trauriger Tag für die gesetzliche Rente: Im Deutschen Bundestag wird das Betriebsrentenstärkungsgesetz verabschiedet. Und damit schwinden die Chancen für eine dringend notwendige Verbesserung der gesetzlichen Rente dramatisch. Stattdessen sollen es nun die sogenannten Betriebsrenten richten. Also alles in Butter?
Leider nein. Denn die neuen Betriebsrenten sind ein Etikettenschwindel. Sie sind - anders als die klassischen und in Westdeutschland noch durchaus verbreiteten Werksrenten – gar keine richtigen Betriebsrenten. Die klassische Betriebsrente ist rein arbeitgeberfinanziert. Die neue Betriebrente basiert hingegen in der Regel auf der Gehalts- oder Entgeltumwandlung. Sie wird ganz überwiegend vom Arbeitnehmer selbst bezahlt. Und das Geld fließt meist direkt an Allianz & Co. Denn bei den neuen Betriebsrenten handelt es sich im Prinzip um betrieblich vermittelte Lebensversicherungen. Auch wenn man den neuen Betriebsrenten schönfärberisch das Prädikat ‚Sozialpartnermodell’ gibt und Gewerkschaften und Arbeitgeber per Tarifvertrag ins Boot holt: Am Ende macht die Lebensversicherungsbranche das Geschäft. Ein Milliardengeschäft. Und der Arbeitnehmer? Er zahlt die sogenannte Betriebsrente aus der eigenen Tasche und bekommt dafür künftig keinerlei Garantien mehr. Es könnte also sogar weniger rauskommen, als zuvor eingezahlt wurde. Und es drohen weitere Nachteile: Die Ansprüche aus der gesetzlichen Rente sinken, wenn für solche Betriebsrenten Gehalt umgewandelt wird. Auch das Krankengeld und das Arbeitslosengeld fallen dadurch im Ernstfall geringer aus. Ist das wirklich ein Fortschritt?
Gut klingt auf den ersten Blick, dass Arbeitgeber künftig ihren Kleinverdienern staatlich subventioniert einen Zuschuss zur Altersvorsorge in Höhe von 480 Euro im Jahr zahlen können. Doch ob es dazu in der Praxis kommen wird? Einen Zwang gibt es nicht, nur die Hoffnung auf einen Tarifvertrag. Viele Kleinverdiener arbeiten aber in nicht tarifgebundenen Betrieben und werden vermutlich nichts davon haben. Es ist wie bei der Riester-Rente: Es wird eine komplizierte, vom Staat geförderte private Altersvorsorge installiert, die den Lebensversicherungskonzernen das Geschäft besorgt und die Betroffenen nicht vor Altersarmut schützt. Vor allem, weil nun der Kampf um ein höheres Rentenniveau und eine dringend notwendige Mindestsicherung in der gesetzlichen Rente wohl auf die lange Bank geschoben wird. Hoffentlich lassen sich die Gewerkschaften durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz nicht ruhig stellen: Die Rentenkampagne ist nötiger denn je.


Gerne stehen wir für vertiefende Interviews und als Referenten zur Verfügung.

Holger Balodis
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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 3/2017 vom 30.6.2017
SPD-Rentenpläne: Noch viel Luft nach oben
Das Gute vorweg: Die SPD hat in Sachen Rente ein klares Konzept vorgelegt. Damit liegt sie deutlich vor der Union, der Martin Schulz zu Recht vorwirft, die Karten nicht auf den Tisch zu legen. Doch was sind die Schulz-Nahles-Pläne in der Rente wert und wem könnten sie nutzen? Der wichtigste Programmpunkt ist die doppelte Haltelinie. Das Rentenniveau von heute 48 Prozent soll nicht weiter absinken. Gleichzeitig soll der Beitragssatz maximal auf 22 Prozent steigen. Was wie ein Befreiungsschlag für Rentner und Beitragszahler klingt, ist bei Licht betrachtet ein mageres Versprechen. Es gilt nur bis zum Jahr 2030. Und wie Andrea Nahles selbst einräumt: Bis 2028 könnten die versprochenen Haltelinien nach den gültigen Prognosen ohnehin eingehalten werden. Der Unterschied zur bisherigen Regierungslinie ist also eher klein.
Und was heißt ein stabiles Rentenniveau? Es bedeutet, dass sich für die Mehrheit der Rentner erst einmal nichts verbessert. Die enormen Einbußen, die für Neurentner verglichen mit dem Zustand vor den Riester-Reformen real – also nach Einrechnung der Preissteigerung – oft mehr als 30 Prozent betragen, werden nicht korrigiert. Der bis heute erfolgte Rentenkahlschlag bleibt erhalten. Schulz und Nahles wollen daran nichts ändern.
Und was heißt ein Beitragssatz von maximal 22 Prozent bis zum Jahr 2030? Damit wird exakt das Versprechen eingehalten, was Schröder und Riester seinerzeit den Arbeitgebern in die Hand versprochen hatten. Die Arbeitgeber sollen auch weiter darauf bauen können, dass sie höchstens mit 11 Prozent am Rentenbeitrag beteiligt werden. Und die Arbeitnehmer? Sie sollen nicht nur bis zu 11 Prozent zahlen, sondern auch noch riestern und zudem in eine neue Form der Betriebsrente einzahlen. Das soll insgesamt weitere 7 Prozent vom Bruttoeinkommen verschlingen. Gute Nachrichten für Arbeitnehmer sind das nicht.
Eine Verbesserung bringen die SPD-Pläne hingegen für Kleinverdiener: Wer 35 Versicherungsjahre geschafft hat, soll eine Rente bekommen, die 10 Prozent höher liegt als der lokale Grundsicherungssatz. Damit bliebe vielen Menschen, denen künftig im Alter nur Mini-Renten drohen, der Gang zum Sozialamt erspart. Die geplante Solidarrente wäre eine nicht zu unterschätzende Verbesserung für viele, die derzeit trotz langjähriger Arbeit mit Renten abgespeist werden, die unter dem Grundsicherungsanspruch (bundesweit im Schnitt rund 800 Euro monatlich) liegen.
Doch auch hier bleibt abzuwarten, ob dies am Ende tatsächlich ohne Bedürftigkeitsprüfung abläuft. Eine solche Prüfung hat in der Rente nichts verloren. Andernfalls wäre die Solidarrente nur eine Art Grundsicherung plus.

Mehr dazu in unserem neuen Buch: „Die große Rentenlüge – Warum eine gute und bezahlbare Alterssicherung für alle möglich ist“ (ab 1. August im Handel)
Gerne stehen wir für vertiefende Interviews und als Referenten zur Verfügung.

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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 4/2017 vom 31.7.2017
Unser neues Buch: „Die große Rentenlüge“
Ab morgen ist es im Handel: „Die große Rentenlüge“. Darunter verstehen wir das seit vielen Jahren vertretene Mantra: Bessere Renten seien nicht möglich. Die Demografie lasse das nicht zu. Die Jungen dürften nicht überlastet werden. Und so weiter. Das ist Unsinn, es ist die Propaganda der Arbeitgeber, die sich in die Köpfe gefressen hat. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Die Renten müssen deutlich steigen. Für alle. In den Nachbarländern wie Österreich, Schweiz, Niederlande, Luxemburg oder Dänemark kann man sich anschauen, wie es geht. Wir zeigen im neuen Buch, dass das auch in Deutschland gelingen kann und muss. „Warum ein gute und bezahlbare Alterssicherung für alle möglich ist“, lautet der programmatische Untertitel. Es ist ein Mut-mach-Buch. Wenn der Kreis der Beitragszahler ausgeweitet wird, wenn sich Staat und Arbeitgeber nicht aus der Verantwortung stehlen und die Beitragssätze maßvoll angehoben werden, können wir es schaffen: Niemand würde überfordert und alle Rentner würden profitieren. Und mit ihnen auch die Kommunen, die weniger Grundsicherungsleistungen zahlen müssten.
Wir sagen, was passieren muss und bewerten, wie weit die politischen Parteien schon auf diesem Weg sind. Und: Was jeder selbst tun kann.

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Die große Rentenlüge – Warum eine gute und bezahlbare Altersicherung für alle möglich ist, Westend Verlag, 208 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-864889-177-9)


Holger Balodis
Dagmar Hühne
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