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Weshalb Vorsorgelüge?

Vorsorgelüge- das klingt zunächst vielleicht effektheischend und gleichzeitig unter den vielen bereits veröffentlichten
„Lügen“ ein wenig abgegriffen. Doch wir sind sicher: Die Vorkommnisse rund um die Rente beschreibt dieser Titel
wahrlich treffend. Wie in kaum einem anderen Politikfeld wurde ein ganzes Volk mit falschen Prognosen und angst-
schürender Propaganda (Demografie!) in die Irre geführt. Mit unhaltbaren Versprechungen zur Privatvorsorge wurden
dann Fakten geschaffen, die schweren Schaden angerichtet haben: Unter dem Vorwand die gesetzliche Rente retten
zu wollen, wurde die Rente massiv demontiert, teilweise privatisiert und langfristig dem Abschuss freigegeben.
„Mehr private Vorsorge“ hieß das neue Dogma. Falls keine Kehrtwende kommt, ist damit die solidarische beitrags-
bezogene Rente ein Auslaufmodell. Mit schon heute verrückten Folgen:

Millionen Arbeitnehmer zahlen deutlich mehr ein und gleichzeitig droht ihnen später Altersarmut.

Vereinfacht lief das Spiel wie folgt ab: Eine engagierte Clique von Wirtschaftsprofessoren lieferte gemeinsam mit
den Lobbyisten der Versicherungswirtschaft jahrelang jede Menge Studien und Gutachten. Tenor: Die gesetzliche
Rente ist wegen der demografischen Entwicklung langfristig unbezahlbar. Private Altersvorsorge ist viel renditestärker.
Die Medien druckten und sendeten diese Thesen und immer mehr Bürger glaubten das auch – landauf, landab.
Die Politiker – allen voran Gerhard Schröder und Walter Riester – übernahmen die neuen „Wahrheiten“ und setzten
sie konsequent um. Bis 2030 sinkt die gesetzliche Rente um rund ein Drittel. Dafür werden private Produkte wie die
Riester-Rente mit Milliardensummen gefördert. Kritiker dieses Kurses wurden im politischen Raum als „Betonköpfe“
diskreditiert und weitgehend mundtot gemacht. Die Versicherungswirtschaft hingegen jubilierte.

Nur für die Versicherten geht der Plan nicht auf. Denn heute – zwei Finanzkrisen später – weiß man:
nur die gesetzliche Rente ist langfristig sicher. Das Demografieargument ist nur vorgeschoben.
Und die privaten Rentenprodukte? Deren Kosten sind rund 10 mal höher als bei der staatlichen Rente und die
Renditen sind minimal. Die Mehrzahl der Kunden wird vermutlich sogar effektiv Geld verlieren. Jahr für Jahr
verlieren die Kunden allein durch vorzeitig gekündigte Privatverträge schätzungsweise mehr als 15 Milliarden Euro.
Gleichzeitig sorgt das gekürzte gesetzliche Rentenniveau dafür, dass von den heutigen Arbeitnehmern weit über
zehn Millionen später eine Rente bekommen werden, die unterhalb des Grundsicherungsniveaus liegt. Ein Leben
lang arbeiten und dann in die Sozialhilfe – wenn das mal keine Vorsorgelüge ist.

Wie sich mittlerweile herausstellt, waren oder sind viele der federführend beteiligten Wissenschaftler und Politiker
recht eng mit der Finanzwirtschaft oder deren Protagonisten verbandelt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.