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Auftritte / Interviews / Kommentare

Einen Überblick über unsere Auftritte und Interviews der Jahre 2012, 2013, 2014, 2015 und 2016 finden Sie hier!

Die Rentenpläne der Bundesregierung sorgen für mächtig Aufregung. Was wir von den beschlossenen Maßnahmen halten, erklären wir im Blog des Bundes der Versicherten: Viel Tam-Tam um wenig.
https://www.bdv-blog.de/gastbeitraege/nahles-plaene-viel-tamtam-um-wenig.html
Wer sich wundert, weshalb wir auf eine riesige Altersarmut zusteuern, ohne dass das zu großen Protesten oder gar zu Widerständen führt, der unterschätzt die Lobbyisten. Genau wie vor knapp 20 Jahren haben INSM & Co samt ihrer professoralen Mitstreiter die Rente zum Spielfeld einer gewaltigen Gehirnwäsche erklärt. Wie sie das machen, was wirklich dahinter steckt und was tatsächlich passieren muss, erklärt Holger Balodis in einem Interview mit den Nachdenkseiten: "Die Rentengehirnwäsche" vom 11.11.2016
http://www.nachdenkseiten.de/?p=35780

Klaus Barthel (SPD), Holger Balodis („Vorsorgelüge"), Matthias W. Birkwald (Die Linke) – Foto: Pewe, Kieler Arbeiterfotografen

Die rentenpolitische Fachtagung des Seniorenaufstands Kiel (siehe Bild oben) am 31.8.2016 brachte zwei klare Ergebnisse: 1. Die zusätzliche kapitalgedeckte Vorsorge ist gescheitert. 2. Wir müssen die gesetzliche Rente schnellstens so reformieren, dass sie Altersarmut verhindert. Alle Beteiligten waren sich einig: Es sind gewaltige Anstrengungen und vermutlich Großdemonstrationen erforderlich, um im Wahljahr 2017 so viel Druck aufzubauen, dass die erforderlichen Reformen eine Chance haben. Unser Eindruck: Die Linke, IG Metall und Teile der SPD sind zu einem Bündnis bereit.

Interview mit Holger Balodis zu den neuen Plänen der Bundesregierung zur Betriebsrente
"Eine Sache, die dem Arbeitnehmer nicht nutzt", 3.11.2016, SR2

https://www.sr-mediathek.de/index.php?seite=7&id=45198

Holger Balodis in der phoenix-Runde: 13.04.2016, 22:15- 23:00 Uhr (phoenix)
"Keine Zinsen, wenig Rente - Die Ohnmacht der Sparer"

https://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/diskussionen/_keine_zinsen_wenig_rente_%E2%80%93_die_ohnmacht_der_sparer_/1094986?datum=2016-04-13

Holger Balodis im SWR2 Forum am 6.4.2016, 17:05 - 17:50 Uhr
Thema: Außer Spesen nichts gewesen- Ist die Riester-Rente gescheitert?

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/swr2-forum/ausser-spesen-nichts-gewesen-ist-die-riester-rente-gescheitert/-/id=660214/did=17229988/nid=660214/1gi8wnq/index.html

Spannende aktuelle Interviews:


Wer wird schon 100 Jahre alt?
Holger Balodis über das Geschäft der privaten Rentenversicherungen
http://www.heise.de/tp/artikel/47/47691/1.html

„Der größte legale Betrug der Geschichte“ Jens Wernicke im Gespräch mit Holger Balodis
http://www.nachdenkseiten.de/?p=30991




copyright K.H.Schrörs

30. November 2015
Deutschlandfunk: Andruck - Das Magazin für Politische Literatur: Die Abzocke mit der Lebensversicherung
Seit Beginn der Finanzkrise verliert die Lebensversicherung als private Altersvorsorge an Attraktivität. Die beiden Autoren Holger Balodis und Dagmar Hühne listen noch eine ganze Reihe weiterer Gründe auf, warum sich private Altersvorsorge für den Kunden nicht lohnt: In ihrem Buch "Garantiert beschissen" rechnen sie mit den Versicherern ab.
http://www.deutschlandfunk.de/altersvorsorge-die-abzocke-mit-der-lebensversicherung.1310.de.html?dram:article_id=338387

17. November 2015
Vis-a-Vis, rbb Inforadio

Lebensversicherungen: Ein ganz legaler Betrug?
In Deutschland gibt es mehr Lebensversicherungen als Einwohner, sie sind als Sparprodukt äußerst beliebt. Verbraucherzentralen konstatieren aber schon länger, dass selber sparen ertragreicher ist, als das an Versicherer zu delegieren. Holger Balodis hat sich lange mit dem Thema beschäftigt, unter anderem in einer Studie für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Über sein jüngstes Buch "Garantiert beschissen" spricht Gerd Dehnel mit dem Autor. (Länge: 11:35)
https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/vis_a_vis/201511/227929.html

15. November 2015
"Fragen an den Autor" im Saarländischen Rundfunk (SR2 Kultur)
Von 11:05 - 12:00 beantworten wir Fragen zu unserem neuen Buch "Garantiert beschissen!"
http://pcast.sr-online.de/feeds/fragen/feed.xml

5. November 2015
Am 5. November hielten wir vor rund 100 Zuhörern in Kaiserslautern unseren neuen Vortrag "Wer macht eigentlich die Altersarmut?".
Veranstalter: die Allianz gegen Altersarmut. Anschließend durften wir fleissig Bücher signieren.

Am 5.11.2015 in Kaiserslautern

29. Oktober 2015
WDR5 Funkhausgespräche zum Thema: Kann man sich das Sparen sparen?

Holger Balodis (rechts) duellierte sich an diesem Abend mit Christoph Hardt vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV). Hardt hat als Kommunikationschef des GDV den sogenannten News-Room aufgebaut. Moderation: Holger Beckmann (links) vom WDR. Balodis setzte die These: Eine Altersvorsorge mit Versicherungen von der Betriebsrente bis Riester ist vollkommen ungeeignet, weil die Produkte sich als untauglich erwiesen haben. Hardt widersprach dem, musste jedoch einräumen, dass selbst der Chef der Allianz-Versicherung vor Lebensversicherungen warnt: "Der Kauf eines klassischen Lebensversicherungsproduktes hat keinen Sinn mehr." So Markus Faulhaber. GDV-Mann Hardt wollte die Aussage des Markführers nicht verallgemeinern, musste aber zugeben, dass die in Vergangenheit verkauften Produkte "Fragezeichen aufwerfen". Zudem seien private Rentenprodukte für ärmere Sparer nicht geeignet.
http://www.wdr5.de/sendungen/funkhausgespraeche/funkhausgespraeche684.html

Holger Balodis (rechts) bei den Funkhausgesprächen

Holger Balodis auf der Frankfurter Buchmesse 2015

Das Video zum Buch! Warum man "Garantiert beschissen" lesen muß!
https://www.youtube.com/watch?v=hrulSFjIiOM
Am 21.10.2015 interviewte das Internetradio detektor.fm Holger Balodis zum Thema:
"Welchen Einfluss haben die Flüchlinge auf das Rentensystem?"
Hier der link zum Beitrag: http://detektor.fm/wirtschaft/entlasten-fluechtlinge-die-rentenversicherung


Am 18. September erschien ein Gastkommentar von Holger Balodis in der Frankfurter Rundschau.
Thema: Die Mär der Lebensversicherer
Firmen verdienen trotz niedriger Zinsen gut. Sie behaupten das Gegenteil, um Kunden nicht zu viel auszahlen zu müssen.
hier der link zum Artikel:
http://www.fr-online.de/aktuelle-kommentare/analyse-die-maer-der-lebensversicherer,30085308,31848166.html

Zu Gast in der WDR 5 Redezeit

Gleich am Erscheinungstag durften wir "Garantiert beschissen" vorstellen. Am 14.9.2015 in der WDR 5 Redezeit von 11:05 bis 11:30 Uhr.
http://www.wdr5.de/sendungen/neugiergenuegt/redezeit/holger-balodis-100.html

Foto: Pewe Kieler Arbeiterfotografen

Am 25.03.2015 waren wir beim "Seniorenaufstand" in Kiel eingeladen. Es war eine sehr erfolgreiche Veranstaltung mit rund 170 Teilnehmern!
http://www.seniorenaufstand.de/170-teilnehmer-bekamen-aufklaerung-ueber-die-geklaute-altersvorsorge/

Altersarmut, hausgemacht
HEILBRONN Holger Balodis kritisiert Kahlschlag bei gesetzlicher Rente
Von unserem Redakteur
Sascha Sprenger
Die Gefahr, dass die Aussage am Ende seines Vortrages zum Thema „Arm im Alter“ unklar bleibt, besteht bei Holger Balodis nicht. „Stoppt die Riester-Rente!“ steht auf einer seiner letzten Folien. Das ist unmissverständlich, beschreibt aber nur eine notwendige Folge einer Entwicklung, die für den Fachjournalisten und Vorsorgeexperten mit dem Wahlsieg von Gerhard Schröder 1998 seinen Anfang nahm. „Denn Schröder nahm sich Walter Riester in sein Kabinett, und es begann ein bis dahin nie dagewesener Kahlschlag bei der gesetzlichen Rentenversicherung“, führt Balodis im DGB-Haus aus und prognostiziert, dass der Durchschnittsrentner bis 2030 etwa ein Drittel weniger Rente erhalten wird.
Kapitaldeckung
Schröder und Riester hatten laut Balodis angesichts stetig steigender Börsenkurse die Idee, von der rein umlagefinanzierten Rente hin zu einer teilweise kapitalgedeckten Rente zu kommen. Doch warum wich man von einem bis dato funktionierenden System überhaupt ab? „Deutschland hatte damals mit den Nachwirkungen der Wiedervereinigung zu kämpfen, unter anderem einer massiven Arbeitslosigkeit. Das bedeutete große Belastungen für die Sozialkassen, vor allem für die Rentenkasse“, erklärt Balodis. Um dies aufzufangen, standen sogar Beitragssätze von über 20 Prozent im Raum, was damals jedoch offenbar als nicht vermittelbar galt. „Also stand die Beitragssatzstabilität ganz oben auf der Prioritätenliste.“ Auf der anderen Seite versuchte man, die Finanzwirtschaft zu stärken, um die Wirtschaft im Ganzen anzukurbeln. Schon damals war für Balodis klar: „Es ging nicht um die Rentner.“ Und auch nicht um den demografischen Wandel. Diese wie ein Mantra verbreitete Begründung für eine private Altersvorsorge ist für Balodis schlicht ein Märchen: „Wenn das stimmen würde, hätte die Rentenversicherung bereits mehrfach kollabieren müssen, denn einen demografischen Wandel gibt es bereits die vergangenen hundert Jahre.“ Heute sei vielmehr das Problem, dass durch eine Vielzahl von Minijobs, Kleinunternehmertum oder auch Teilzeitarbeit die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland zwar stabil blieb, aber die Zahl der Einzahler in die Rentenversicherung signifikant gesunken sei. „Das heißt: Offiziell gibt es immer mehr Jobs, aber ein beachtlicher Teil davon bringt keine Rentenansprüche und keine Einzahlungen, die die höheren Kosten auffangen könnten.“ Die drohende Altersarmut sei also hausgemacht.
Verluste
Klar sei gleichzeitig aber auch: Gerade die Riester-Rente fange die Verluste durch das stetig sinkende Renten-Niveau nicht auf. Ganz im Gegenteil: „Wir haben errechnet, dass etwa 80 Prozent der Kunden durch einen Riester-Vertrag sogar noch Verluste machen, da sie durch diese Verträge systematisch benachteiligt werden“, sagt Balodis. „Die Versicherer kassieren bis zu 15 Prozent, um ihre angeblichen Kosten zu decken. Außerdem ist mittlerweile vielfach belegt, dass die versprochenen Renditen nur dann erreicht werden, wenn man richtig alt wird. Ein Riester-Vertrag ist also nichts anderes als eine Wette auf ein langes Leben. Es gibt Kalkulationen, die von einem Lebensalter von 120 Jahren ausgehen.“ Den Gesamtschaden für die Versicherten gibt er mit rund 60 Milliarden Euro pro Jahr an. „Das sind große Vermögensverschiebungen, die Versicherungswirtschaft profitiert enorm.“ Neben der Abschaffung der kapitalgedeckten Altersvorsorge in seiner jetzigen Form müsse es vor allem darum gehen, die Zahl der Beitragszahler für die gesetzliche Rente zu erhöhen, sprich: Mehr sozialversicherungspflichtige Jobs, dafür weniger Teilzeit- oder Minijobber. Balodis: „Wir müssen zu einer Durchschnittsrente von mindestens 1000 Euro kommen. Das geht auch – wenn man nur wollte.

Interview auf BR- alpha vom 10.09.2013 21:00 Uhr (ca. 45 min. )

alpha-Forum: Holger Balodis - Wirtschaftsjournalist und Buchautor

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/alpha-forum/holger-balodis-100.html

Interview [2.435 KB] ( 5 Minuten ) BR vom 26.06.2013 zur Vorsorgelüge
Gespräch mit dem Buchautor Holger Balodis

Am 16. Mai 2013: Holger Balodis um 22:15 Uhr im ZDF bei Maybrit Illner: Zu wenig, zu spät, zu ungerecht.
Reicht die Rente morgen noch zum Leben?

https://www.youtube.com/watch?v=woYuQIiKpMg

Foto: Svea Pietschmann
Quelle: ZDF 2013

Die Rente war sicher
Zum Scheitern von Riester & Co. -
Ein Gespräch mit dem Rentenexperten Holger Balodis

Nicht nur überdimensionierte Bauwerke, auch politische Großprojekte können scheitern, wenn Zweck und Nutzen nicht erfüllt werden. Gute Beispiele sind die Rentenmodelle Riester und Rürup. Einst eingeführt, um die gesetzliche Versorgung zu ergänzen, werden die Rentner von morgen Milliarden an Einlagen verlieren. Das ganze Ausmaß skizziert der Volkswirt Holger Balodis im folgenden Interview.

Herr Balodis, was ist bei den Rentenreformen eigentlich schiefgelaufen?
Bis in die 1990er-Jahre noch nicht so viel. Bis dahin hatte man stets versucht, die staatliche Rente wetterfest zu machen. Die Hauptprotagonisten Norbert Blüm (CDU) und Rudolf Dreßler (SPD) hatten einen Konsens erreicht, der die Finanzierbarkeit sichergestellt hätte. Nur ist dann in der Mitte der Dekade von interessierten Kreisen die Diskussion um die Themen „Generationengerechtigkeit“ und „demografische Katastrophe“ in Gang gesetzt worden, die letztlich zur Demontage der gesetzlichen Rentenversicherung geführt hat.

Meist scheitern große politische Vorhaben wie Renten- oder auch Gesundheitsreformen an den verschiedenen Interessen der Beteiligten, der Volksvertreter, der Lobbygruppen oder der beteiligten Leistungserbringer. Wie ist bei der Rentenreform die Gemengelage?
Es gab eindeutige Interessen der Finanzwirtschaft und der Arbeitgeber: Die einen wollten ihr Geschäftsvolumen ausweiten, die anderen wollten die Lohnnebenkosten begrenzen und erhoben die Stabilität des Rentenversicherungsbeitrags zum neuen Dogma. Das machte ich die damalige rot-grüne Bundesregierung leider zu eigen. Dadurch geriet jedoch das eigentliche Ziel der gesetzlichen Rentenversicherung aus dem Blick: Rentner vor Armut zu schützen. Verschärft wird die nun drohende Altersarmut durch nahezu zeitgleich beschlossene Arbeitsmarktreformen, die zu einer Ausweitung des Niedriglohnsektors, mehr Zeitarbeit und Soloselbstständigkeit (Anm. d. Red.: Ich-AGs) geführt haben. Große Teile der Bevölkerung fallen ganz aus der Rentenversicherung heraus oder erwerben nur noch minimale Ansprüche. Man denke nur an die inzwischen 7,5 Millionen Minijobber oder die 2,5 Millionen Soloselbstständigen. Eine Korrektur des gesunkenen Rentenniveaus allein würde also nichts bringen, wir brauchen wieder mehr versicherungspflichtige Beschäftigte.

Warum hat die Bevölkerung diesen Paradigmenwechsel in der Rente hingenommen?
Wir müssen uns an die zweite Hälfte der 1990er-Jahre erinnern. Damals hatte die Begeisterung für Aktien große Teile der Gesellschaft erfasst. Die bisherige Finanzierung der sozialen Sicherung aus lohnbezogenen Beiträgen schien vielen überholt. Sie glaubten, dass man über Aktien- und Fondserträge viel sicherer und effizienter soziale Sicherung betreiben könne. Das passte damals einfach in den Zeitgeist, der nicht nur in der Rente das Motto „Privat vor Staat“ proklamierte. Die Lobbygruppen der privaten Altersvorsorge wie der „Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV“ oder die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, die von den Metallarbeitgebern finanziert wird, haben die Öffentlichkeit mit Gutachten und Studien überschwemmt, die allesamt nur einen Tenor hatten: Private Altersvorsorge ist effizienter und renditestärker. Ein T Teil der gesetzlichen Rente müsse durch private Vorsorge ersetzt werden und dann ginge es allen besser. Ein Irrglaube.

Herr Balodis, warum ist denn die Riester-Rente eine so schlechte Vorsorge?
Es zeigt sich, dass die Lücke, die durch die Absenkung der gesetzlichen Rente geschaffen wurde, durch „riestern“ nicht geschlossen werden kann, denn die privaten Angebote haben strukturell erhebliche Probleme. Da ist zum einen der Kostenfaktor. Abschluss- und Verwaltungskosten verschlingen nicht selten 15 bis 20 Prozent der eingezahlten Beiträge. Die sind erst mal weg. Zum Vergleich: Die Verwaltungskosten der gesetzlichen Rentenversicherung liegen bei unter eineinhalb Prozent. Dann das Stornoproblem. 70 bis 80 Prozent der Kunden von privaten Rentenversicherungen lösen ihre Verträge vorzeitig auf und bekommen im Schnitt weniger als die Hälfte der eingezahlten Beiträge zurück. Auch mehrere Millionen Riesterkunden haben bereits gekündigt. Und wer schließlich bis zur Rente durchhält, der wird durch überhöhte Annnahmen zur Lebenserwartung geschädigt. Viele Versicherer rechnen mittlerweile damit, dass ihre Kunden über 100 Jahre alt werden. Das drückt die monatliche Rente enorm. Wer nur ein normales Lebensalter erreicht, macht Miese.

Was halten Sie von den Riester-Alternativen Bank- oder Fondssparplan? Sind die weniger nachteilig als eine Riester-Rentenversicherung?
Riester-Banksparpläne sind nicht so kostenbelastet und bieten auch im Falle einer Kündigung in der Regel Vorteile. Doch auch bei diesem Riester-Produkt entgehen Sie der Rentenversicherung nicht. Bei Rentenbeginn muss die Bank rund 30 Prozent Ihres Kapitals in eine Versicherung einzahlen, die ab dem 85. Lebensjahr eine lebenslange Rente garantiert, auch wenn viele diese Versicherung nie brauchen. Das Gleiche gilt übrigens auch für geriesterte Fondssparpläne.

Gab es von den Erfindern der Riester- und Rürup-Rente keine Mindestanforderungen? Nach welchen Kriterien wurden denn die Anbieter zertifiziert?
Bei der Zertifizierung der Riesterprodukte spielte eine Begrenzung der Kosten oder eine Mindestrendite überhaupt keine Rolle. Die Qualität der Produkte war kein Kriterium. Ein Riester-Produkt dürfte auch 40 Prozent oder mehr Kosten produzieren und würde dennoch zertifiziert. Weder die BaFin (Anm. d. Red.: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) noch die beteiligten Ministerien verhindern das.

Wie viel Aufklärung leisten eigentlich die Medien beim Thema private Altersvorsorge?
Die meisten Medien sind der eingangs geschilderten Kampagne gefolgt, die da lautete „Die staatliche Rente schafft es nicht – die private Altersvorsorge muss her“. Das über lange Jahre hervorragend funktionierende solidarische System verteidigten sie hingegen nicht. Die Lobbyisten der Finanzwirtschaft haben es ja auch meisterlich verstanden, die Medien für ihre Ziele einzuspannen. Lange Jahre haben Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen nahezu ausschließlich über die Schwächen der gesetzlichen Rente berichtet und Risiken und Probleme der privaten Altersvorsorge ausgeblendet.

Zuletzt hat ja die Regierung die „Lebensleistungsrente“ ins Gespräch gebracht, und die SPD fordert die „Solidarrente“. Sind diese Ansätze aus Ihrer Sicht sinnvoll?
Eindeutig nein. Beide Konzepte würden nur einer vergleichweise kleinen Zahl von Geringverdienern nutzen. Die Anforderungen in Form von Versicherungsjahren und zuvor geleisteter privater Vorsorge sind so hoch, dass das nur wenige schaffen werden. Altersarmut verhindert man so nicht. Und was fast noch schlimmer ist: Der großen Masse der Versicherten nutzen die Vorschläge überhaupt nichts. Wir brauchen eine allgemeine Aufstockung des Rentenniveaus. Das würde allen nutzen: den Klein- und Normalverdienern, aber auch jenen, die heute ein gutes Einkommen erzielen.

Werden die Konsequenzen des Status quo verschwiegen?
Zuerst einmal ist es ja positiv, dass die Politik das Thema Altersarmut überhaupt thematisiert, auch wenn sie das Ausmaß, wie viele Menschen davon betroffen sein werden, noch nicht offen benennt. Nach Berechnungen des Arbeitsministeriums werden selbst Arbeitnehmer, die heute monatlich brutto 2 200 Euro oder weniger verdienen, nach 40 Versicherungsjahren eine Rente beziehen, die nicht über die Grundsicherung (Anm. d. Red.: derzeit im Schnitt 688 Euro im Monat) hinausgeht. Und das sind über zehn Millionen Arbeitnehmer.

Wie sorgen Sie eigentlich selbst vor?
Ich bin Selbstständiger und habe vor langer Zeit private Versicherungsverträge abgeschlossen, die ich jetzt mit einem weinenden Auge betrachte, denn die Prognosen werden Jahr für Jahr dramatisch nach unten korrigiert. Insofern bestätigt sich auch bei mir selbst das Gesagte.

Das Gespräch mit Holger Balodis führte Jörg Schweigard.

Die Vorsorgelüge
Im September 2012 erschien im Econ- Verlag Holger Balodis’ Buch „Die Vorsorgelüge“ (Koautorin Dagmar Hühne), mittlerweile liegt die 4. Auflage vor. Die beiden Journalisten belegen darin, wie die private Altersvorsorge die Altersarmut noch verschärft. Erhellend sind die Rückblicke, wie es zum heutigen Rentendesaster kommen konnte. Fast wie ein Krimi liest sich, wie ein Verbund von Politik, Lobbyisten und Wissenschaftlern die gesetzliche Rente sturmreif geschossen hat.
Balodis, Holger; Hühne, Dagmar: Die Vor sorgelüge.
Wie Politik und private Rentenversicherung uns in die Altersarmut treiben

Gastbeitrag für taz:

Auf dem Holzweg
Von Holger Balodis

Arbeitsministerin von der Leyen gebührt schon jetzt ein Orden: Sie hat die Debatte um die künftige Altersarmut regierungsamtlich in Gang gesetzt und endlich auch die SPD aufgescheucht. Leider präsentiert sie mit der Zuschussrente aber die falsche Lösung, genauso wie Sigmar Gabriel mit seiner Solidarrente. Beide sind in der Rentenfrage wie der Großteil der Gesellschaft einer perfiden Meinungsmache aufgesessen. In der Bevölkerung werden folgende „Rentenwahrheiten“ fast wie Naturgesetze akzeptiert:
1. Die demografische Entwicklung („Zu wenige Junge – zu viele Alte“) bringt die gesetzliche Rente in eine Schieflage. Eine Senkung des bisherigen Rentenniveaus ist unausweichlich.
2. Bleiben die Renten auf dem aktuellen Niveau, steigen die Beiträge künftig in unzumutbare Höhen. Die heute Jungen werden krass überfordert, somit die Generationengerechtigkeit verletzt.
3. Nur durch eine stärkere private Altersvorsorge kann künftig Altersarmut vermieden werden.
All das klingt plausibel, ist aber dennoch falsch. Schlimmer noch: es sind genau diese Thesen, die die prekäre Situation der deutschen Altersversorgung erst herbeiführten. Wie konnte das passieren? Es war zunächst nur eine kleine Clique von Wissenschaftlern – allesamt mehr oder weniger mit der Finanzwirtschaft verbandelt – die die angeblich ruinöse Bevölkerungsentwicklung zum Thema machten. Ihr prominentester Vertreter: Prof. Bernd Raffelhüschen, seit vielen Jahren Mitglied im Ergo-Aufsichtsrat und als Vortragsreisender für Versicherungen und Finanzdienstleister unterwegs. Mit Kampfbegriffen wie „Generationengerechtigkeit“ und „Demografische Katastrophe“ wurde der Boden bereitet. Dankbar griffen Lobbyorganisationen wie das von der Deutschen Bank finanzierte ‚Deutsche Institut für Altersvorsorge’ (DIA), die von den Metallarbeitgebern alimentierte ‚Initiative Neue Soziale Markwirtschaft’ und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Thesen auf und verwandelten sie durch ständige Wiederholung zu unumstößlichen Wahrheiten. Es war schließlich die rot-grüne Bundesregierung, die 2001 mit der Riester-Reform die Axt an die staatliche Rente legte und den privaten Versicherungskonzernen einen Milliardenmarkt eröffnete. Dank der Riester-Rente sollte es allen künftigen Rentnern sogar besser gehen als zuvor, versprachen Gerhard Schröder und Walter Riester damals. Das glaubt heute keiner mehr. Die traurige Wahrheit sieht so aus: Bis 2030 wird das Rentenniveau durch die seit 2001 beschlossenen Maßnahmen um rund 30 Prozent sinken. Gleichzeitig zahlen die Riester-Sparer 4 Prozent ihres Bruttoeinkommens in private Verträge, von denen derzeit niemand sagen kann, ob sie jemals eine positive Rendite abwerfen werden. Damit tritt für die heutigen Beitragszahler die absurde Situation ein, dass sie trotz der beschlossenen „Rettungsmaßnahmen“ deutlich mehr zahlen als im alten System und dennoch erheblich weniger heraus bekommen werden. Ursula von der Leyen legte das Elend nun offen: Ein Normalverdiener mit monatlich 2.500 Euro brutto kann 2030 nach 35 Arbeitsjahren gerade mal auf 688 Euro Rente hoffen. Man kann diese Zahl auch anders interpretieren: Das halbe Volk müsste im Alter Grundsicherung beantragen – vermutlich das Ende der gesetzlichen Rente! Die Lösung der Arbeitsministerin: für langjährig Beschäftigte eine Aufstockung auf maximal 850 Euro, die Zuschussrente. Aber nur wenn die Versicherten private Vorsorge, zum Beispiel mit der Riester-Rente, betrieben haben. Das klingt nun so absurd wie der Versuch einer Feuerwehrfrau, einen Brand mit einem Fön auszublasen. Schließlich war es die Einführung der Riester-Rente, die die Kürzungen der gesetzlichen Rente mit sich brachte. Auch Gabriels Ansatz führt in die Irre: statt in die Riester-Rente will der SPD-Chef die Versicherten in die Betriebsrente zwingen. Dabei sorgt jede Einzahlung in die betriebliche Altersversorgung für eine fiktive Absenkung des Bruttolohns und damit für eine weitere Absenkung der gesetzlichen Rente – und zwar für alle Versicherten. Also Rettung durch weitere Zerstörung? Diese verquere Logik war einer der Geburtsfehler der Riesterschen Rentenreform. Wenn also nun die fatalen Folgen dieser missglückten Reform offenkundig werden, hilft nur die Rentenrolle rückwärts:
Wir müssen zum alten Rentenniveau zurückkehren. Mit einer Steigerung um rund 30 Prozent wäre der Vorteil für die meisten deutlich größer als bei der Zuschussrente à la von der Leyen. Darüber hinaus sollten die Bezieher von kleinen Einkommen aufgewertet werden, wie es bis 1992 mit dem Instrument „Rente nach Mindesteinkommen“ üblich war.
Die Beitragssätze würden zwar steigen, doch wegen der paritätischen Finanzierung müssten die Arbeitnehmer davon nur die Hälfte tragen. Für sie würde es nicht teurer als nach heutiger Gesetzeslage. Die Arbeitgeber würden hingegen mehr belastet als im Status Quo. Die Riester-Rente dürfte nicht mehr länger staatlich gefördert werden. Die Subventionen, die derzeit indirekt der Finanzwirtschaft zu Gute kommen, sollten direkt in die Rentenkasse fließen.
Weitere Maßnahmen sind sinnvoll: Die Beitragsbemessungsgrenzen von derzeit monatlich 5.600 Euro West bzw. 4.800 Euro Ost könnten deutlich erhöht werden. Sehr hohe Einkommen sollten hieraus aber nur degressiv fallende Rentenansprüche erwerben. Das heißt, jeder der mehr verdient, bekäme zwar auch mehr Rente, doch der Anstieg fiele etwas geringer aus. Das eröffnete finanzielle Spielräume zur Rentenerhöhung von Kleinverdienern.
Ferner könnte der Kreis der Rentenversicherten ausgeweitet werden: die 2,5 Millionen Solo-Selbständigen sollten versicherungspflichtig werden, versicherungsfreie Mini-Jobs zurückgedrängt und langfristig auch Beamte ins System der gesetzlichen Rente eingegliedert werden.
Gelänge es zudem, die Arbeitslosigkeit drastisch zu reduzieren und die Erwerbstätigkeit der über 55-Jährigen deutlich auszuweiten, ergäbe sich insgesamt ein Potenzial von über 12 Millionen neuen Beitragszahlern.
Gelänge es nur die Hälfte davon zu aktivieren wäre das zusammen mit den anderen Maßnahmen mehr als genug, damit auch im Jahr 2030 das Umlageverfahren in der gesetzlichen Rente noch funktioniert und für armutsfeste Renten sorgen wird.

Politisches Feuilleton
Von Holger Balodis

Was waren das für Zeiten kurz nach der Jahrtausendwende: Walter Riester und Gerhard Schröder versprachen allen künftigen Rentnern insgesamt höhere Alterseinkommen. Was die beiden Reformer bei der gesetzlichen Rente kürzten, sollte locker durch die staatlich subventionierte private Riester-Rente ausgeglichen werden. Um es kurz zu machen: der Traum ist geplatzt. Vielleicht kannten sich die beiden mit so was schlicht nicht aus. Vielleicht war es aber auch von Beginn an nichts weiter als eine dreiste Lüge. Die zusätzliche private Altersvorsorge erweist sich etwas mehr als zehn Jahre nach ihrer Einführung als Fehlschlag: Exorbitant hohe Kosten fressen die Rendite auf. Komplizierte Vorschriften sorgen dafür, dass nicht mal ein Drittel der Riester-Sparer die vollen Zulagen erhält. Nur 16 Prozent der Deutschen halten die Riester-Rente laut jüngster Postbank-Studie noch für eine sichere Anlage. Niederschmetternd. Das einzige was bei der Riester’schen Rentenreform wirklich funktioniert, ist die Absenkung des Niveaus in der gesetzlichen Rente. Diese Renten fallen bis zum Jahr 2030 für die meisten wohl um rund ein Drittel niedriger aus. Über zehn Millionen der heutigen Arbeitnehmer werden deshalb später Renten bekommen, die unterhalb des so genannten Grundsicherungsniveaus liegen. Auch das: Niederschmetternd.
Wäre Politik lernfähig, müsste sie eigentlich sagen: Schluss mit dem Experiment. Zurück zum alten Rentenniveau. Stopp mit dem Milliardensegen für die private Finanzwirtschaft.
In Wirklichkeit sagen die Politiker etwas ganz anderes: Zuschussrente, Solidarrente und Mindestrente lauten die Konzepte. Allen gemein: es soll den Ärmsten im Alter ein klein wenig besser gehen. Je nach Lesart soll dafür der Steuerzahler oder die Rentenkasse aufkommen. Ebenfalls allen Konzepten gemein: Den allermeisten Versicherten werden sie rein gar nichts nutzen. Und die fatalste Schwäche der neuen Rentenkonzepte: sie alle wollen nicht abrücken vom Zwang zur zusätzlichen privaten Altersvorsorge. Sozialministerin von der Leyen will 35 Jahre Riesterrente vorschreiben. SPD-Chef Gabriel jeden Arbeitnehmer zur Betriebsrente verdonnern. Weiß die SPD etwa nicht, dass die betriebliche Altersvorsorge in der Regel von denselben Finanzkonzernen wie die Riesterrente betrieben wird? Und dass hier die gleichen Spielregeln gelten. Und dass jeder Euro, der in Betriebsrenten fließt, letztlich über die Rentenformel dazu führt, dass die gesetzliche Rente für alle noch niedriger ausfällt?

So werden Abermillionen Beschäftigte in die Klauen der Finanzindustrie getrieben. Sie sollen Produkte abschließen, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können. Werden mit Zulagen und Steuervorteilen geködert, die letztlich vor allem den Anbietern dieser privaten Rentenprodukte zu Gute kommen. Und was dem ganzen die Krone aufsetzt: Ihre Altersversorgung wird den Launen der Kapitalmärkte ausgesetzt. Für die gesetzlich Rentenversicherten ist das offen gestanden eine Zumutung.
Und noch etwas: Die Rentenrolle rückwärts wäre durchaus bezahlbar. Statt in Riester-Produkte zahlten die Versicherten das Geld direkt in die Rentenkasse. Sie bekämen dafür einen Arbeitgeberzuschuss und später deutlich höhere Renten. Der Staat zahlte seine Riester-Geschenke ebenfalls direkt in die Rentenkasse und müsste dafür später weniger Grundsicherung zahlen.
Gibt es etwa nur Gewinner? Natürlich nicht. Nachteile hätte die Finanzwirtschaft, die sich wieder ohne staatliche Schützenhilfe im freien Wettbewerb ihre Kunden suchen müsste. Und die Arbeitgeber. Sie müssten wieder die Hälfte der Rentenbeiträge für ihre Beschäftigten zahlen. Doch das wäre auch nur gerecht.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1908910/

Rolle rückwärts kann helfen

In der Rentendebatte jagt ein Vorschlag den nächsten: erst von der Leyens Zuschussrente, dann Gabriels Solidarrente, am Wochenende ein CSU-Konzept zur Altersarmut und nun Karl-Josef Laumanns Plädoyer für die Rückkehr zur Rente nach Mindesteinkommen. Gut an allen Konzepten ist, dass das Problem Altersarmut endlich ernst genommen wird. Schlecht ist hingegen, dass kein einziges das Übel wirklich an der Wurzel packt: die Demontage der gesetzlichen Rente unter Rot-Grün durch Schröder und Riester. Es wäre an der Zeit zu bekennen: Es war falsch, das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rente so dramatisch zu beschneiden. Und es war falsch, so blauäugig auf die private Altersvorsorge zu setzen und zu hoffen, dass private Renten à la Riester, Rürup & Co die Rentenlücken schließen könnten. Allen Experten ist inzwischen klar, dass das nicht funktioniert. Dabei stehen wir erst am Anfang einer dramatischen Entwicklung. Noch ist der Anteil der Rentner, die Grundsicherung beziehen, niedrig. Doch die Neurentner von heute bekommen schon über 10 Prozent weniger Rente als vor zehn Jahren. Und die Rutsche in die Altersarmut wird noch weiter Fahrt aufnehmen: Über 10 Millionen der heute Erwerbstätigen werden in 20 Jahren Renten unterhalb des Grundsicherungsniveaus beziehen.

Dabei liegt die Lösung auf der Hand: Wir müssen zurück zu dem Rentenniveau vor der Riester-Reform von 2001. Das nutzt nicht nur den Geringverdienern, sondern allen Rentenversicherten. Auch die Normalverdiener müssen schließlich vor dem dramatischen Rückgang ihrer Renten bewahrt werden. Natürlich kostet das. Vor allem höhere Rentenbeiträge. Doch die sind entgegen allen Unkenrufen finanzierbar und werden die junge Generation keineswegs überlasten. Bis zum Jahr 2030 würden die Beiträge durch die Rentenrolle rückwärts auf 26 Prozent steigen. Kurioserweise würde das die Arbeitnehmer verglichen mit der aktuellen Gesetzeslage aber sogar entlasten. Nach jetzigen Planungen steigen die Rentenbeiträge bis 2030 auf 22 Prozent. Dazu kommen noch 4 Prozent Riesterbeitrag, für Arbeitnehmer also eine Gesamtlast von 15 Prozent des Bruttogehalts. Durch die Rückkehr zu paritätisch finanzierten Rentenbeiträgen betrüge die Belastung dagegen „nur“ 13 Prozent. Mehr zahlen müssten jedoch die Arbeitgeber. Das wäre nicht nur gerecht, sondern auch zumutbar, denn die Lohnstückkosten sind in den vergangenen 10 Jahren so stark gesunken, dass eine moderate Anhebung der Lohnnebenkosten die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Arbeitgeber nicht bedroht.

Bleibt das leidige Argument Demographie. Kann die gesetzliche Rente tatsächlich funktionieren, wenn wir immer älter werden und auch weiter so wenige Kinder bekommen wie derzeit? Eindeutig ja. Entscheidend ist nicht das Verhältnis von Jungen zu Alten, sondern das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern. Und da haben wir noch reichlich Reserven: rund 2,5 Millionen Solo-Selbstständige, die der Staat aus dem Rentensystem gedrängt hat, müssten wieder integriert werden. Die auf die wahnwitzige Zahl von 7,5 Millionen angestiegenen Minijobs müssen zurückgedrängt werden. Und die Beschäftigungsquoten der Frauen wie auch der über 55-Jährigen haben noch viel Luft nach oben. Alles in allem schlummert hier ein Potenzial von reichlich über zehn Millionen Beitragszahlern. Würde dieses Potenzial gehoben, so verlöre die Demographie in der Rentendebatte ihren Schrecken. Allerdings nur, wenn die Wirtschaft auch bereit ist, diese Arbeitnehmer versicherungspflichtig zu beschäftigen und angemessen zu bezahlen.

Verabschieden sollte sich die Politik jedoch ganz schnell von dem Irrglauben, mit privater Altersvorsorge à la Riester die Rentenprobleme lösen zu wollen. Die privaten Angebote haben sich als kostenträchtig und renditeschwach erwiesen und setzen Millionen Versicherten den Risiken der Finanzmärkte aus. Sie gehören in die Mottenkiste.